Flusslandschaft 1996
Rechtsextremismus
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Es ist Wahlkampf. Am 10. März sind Stadtratswahlen. Manfred Brunner, ehemals FDP, jetzt Bund freier Bürger, lädt Anfang Februar in den Weyprechthof. Im Arbeiterviertel Am Harthof müssen die richtigen Töne gefunden werden. Vor Hundert Besuchern spricht zunächst der ehemalige Münchner Polizeipräsident Manfred Schreiber (ehemals SPD) von der »Unmenge von mafiaähnlichen Organisationen von Ausländern«, fordert ein dringend nötiges »Auswanderungsgesetz« und warnt vor »linken Umerziehungsdiktatoren, die zurückgestutzt werden müssen«.1 Dann spricht Brunner, verbindlicher, gemäßigter, hält die Balance zwischen rechtem Rand und bürgerlicher Mitte. Draußen im Schnee protestiert ein Dutzend Jugendlicher.
Rechtsextremismus wird gängig als Ideologie der Ewiggestrigen angesehen. Die rechtsextremen Bewegungen basieren aber nicht zuletzt auf zeitgemäßen Diskursen. Brunner lädt für den 15. Februar Prof. Ernst Nolte, der 1986 den sogenannten Historikerstreit auslöste, ein, in einer nicht öffentlichen Veranstaltung im Hotel Eden-Wolf am Münchner Hauptbahnhof zu sprechen. Für Nolte erscheint der Nationalsozialismus als Reaktion auf den Sieg des Bolschewismus in Russland, den II. Weltkrieg bezeichnet er als Einigungskrieg Europas unter deutscher Führung. Vor dem Hotel findet eine antifaschistische Kundgebung statt, die darauf hinweist, dass Asylbewerberheime deshalb brennen, weil bürgerlich-konservative Theoretiker Rassismus und Chauvinismus relativieren.2
Am 18. Juli findet das Gründungsfest der Antifaschistischen Aktion München im Café Marat im Tröpferlbad in der Thalkirchner Straße 114 statt.
Für den 26. Oktober laden die Jungen Nationaldemokraten (JN) zu einer „organisationsübergreifenden Veranstaltung“ unter dem Motto „Deutschland lebt“ in den Wappensaal des Hofbräuhauses ein. Nach Protesten kündigt der Wirt des Hofbräuhauses den Mietvertrag. Antifas demonstrieren trotzdem am Platzl und bemerken, wie angereiste Rechtsextremisten dort auf den neuen Veranstaltungsort Bayerischer Herold in der Lindwurmstraße 37 „umgeleitet“ werden. Darauf begeben sich etwa achtzig Antifas ebenfalls in die Lindwurmstraße, treffen dort aber auf etwa hundertfünfzig Beamte des USK. Zwei Antifas werden festgenommen, bei ihnen kommt es auch noch zu einer Hausdurchsuchung.3
1 Zit. in: Michaela Haas: „Die Verbindlichkeit des DM-Retters. Der frühere EG-Kabinettschef ist Meister der Zweideutigkeit — seine Klientel versteht ihn eindeutig“ in: Süddeutsche Zeitung 37 vom 14. Februar 1998, 3.
2 Vgl. Münchner Lokalberichte 5 vom 29. Februar 1996, 1 f.
3 Vgl. Münchner Lokalberichte 23 vom 7. November 1996, 4 f.
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Rechtsextremismus. In: Protest in München seit 1945. Stand: 10. Juli 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/1107 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).