Flusslandschaft 1975

Männer

Die Humanistische Union veranstaltet zum „Jahr der Frau“ am 1. und 2. November eine Kongress unter dem Motto „Emanzipation der Männer — Emanzipierte Frauen brauchen emanzipierte Männer“.1 Als offizieller Button der Veranstaltung dient eine hölzerne Wäscheklammer mit in Handarbeit aufgestempeltem „Auch der Mann gehört ins Haus!“2 „… Das Thema sollte kein Kontrapunkt und kein ,kokett-provozierender Farbtupfer im Jahr der Frau’ sein, wie die HU-Vorsitzende Charlotte Maack gleich zu Beginn warnend sagte. Hier sollte vielmehr darüber gesprochen werden, daß sich emanzipierende Frauen Männer brauchen, die sich ebenso von den überlieferten Rollenklischees lösen. Das Ziel sei die ,Emanzipation des Menschen’, so Frau Maack. Es fehlten denn auch ganz jene naiven Aggressionen, die einschichtig denkende Frauenrechtlerinnen zur Zeit zu wecken versuchen. Es ging nicht um Geschlechterkampf, sondern wirklich um bessere Formen des Zusammenlebens. Darum fand auch der Vorschlag des bekannten Sexualpsychologen Ernest Borneman, Männer sollten sich als untergeordnete Gruppen der Frauenbewegung anschließen, überhaupt keinen Beifall. Dann würden die alten Abhängigkeiten nur umgedreht, hieß es … Gleiche Rechte sollen allerdings mit gleichen Pflichten einhergehen. Darum die Forderung, daß Frau und Mann grundsätzlich in gleicher Weise für Hausarbeit und Erziehung verantwortlich gemacht werden. Das könnte nach Ansicht der HU zum Beispiel so aussehen, daß beide Ehepartner je sechs Stunden täglich im Beruf und je zwei Stunden im Haushalt arbeiten … Es geht also nicht darum, die Rollen einfach zu vertauschen. Der Slogan auf dem Tagungsabzeichen wurde am Ende darum mit der Einschränkung versehen, daß ,auch’ der Mann ins Haus gehöre …“ 3

Mitte Oktober, Hotel Holiday Inn: Über Hundert geschiedene Väter sind empört. Bis Ende des letzten Jahres konnten sie die Unterhaltszahlungen für ihre Kinder und die einschlägigen Sonderausgaben von der Steuer absetzen, jetzt nicht mehr!

Das ist nicht einfach für den Mann, der für sich den politischen Anspruch hat, die Gesellschaft zum Positiven hin zu verändern. Wenn er dann eine Beziehung will und trotzdem scheitert, weil die/der Andere keinen Wert darauf legt, bevormundet oder gar unterdrückt und gequält zu werden, wirds eng. Die Erkenntnis, eine traditionelle, internalisierte Männerrolle ständig reproduzieren zu müssen, veranlasst so manchen, zunächst einige Bücher4 zu studieren und dann aktiv zu werden.5


1 Siehe „Emanzipation der Männer“ von Heide Hering.

2 Vgl. Heide Hering: „Geschafft! Eine Verfassungsänderung! Über eine erfolgreiche HU-Initiative in der Frauenpolitik“ in vorgänge 155 Heft 3 vom September 2001, 114 ff.

3 Frankfurter Rundschau vom 3. November 1975.

4 Wilhelm Reich, Charakteranalyse, Köln 1970. – Volker Elis Pilgrim, Der Untergang des Mannes, München 1973. – Volker Elis Pilgrim, Dressur des Bösen. Zur Kultur der Gewalt, München 1974.

5 Siehe
- https://blatt-muenchen.de/showblatt?p=058, 14 ff. und
- https://blatt-muenchen.de/showblatt?p=060, 11 f.

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Männer. In: Protest in München seit 1945. Stand: 19. Oktober 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/556 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).