Flusslandschaft 1976

SPD

Unterbezirksvorsitzender und 3 Stellvertreter, 6.3.76 1
Beim Jahresparteitag der Münchner SPD im Schwabingerbräu am 6. März wird Stadtkämmerer Max von Heckel zum neuen Unterbezirksvorsitzenden gewählt. In ihrer Bewerbungsrede für den stellvertretenden Vorsitz meint Ulrike Mascher, „sie könne sich nicht vorstellen, daß ihre ,Wahl oder Nichtwahl die Existenz einer so großen Partei gefährden könnte’. Als ihre Hauptanliegen nannte die 39jährige Versicherungsangestellte und Betriebsrätin aus der Maxvorstadt ,die Erhaltung der Wohnviertel am Rande der Innenstadt’, die Verteidigung ,einer demokratischen Willensbildung in der SPD von unten nach oben’, die Ermutigung von Frauen für eine politische Arbeit in der SPD und schließlich eine bessere Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Auch werde sie sich dafür einsetzen, daß der Vorstand Solidarität übe ,mit Genossen, die öffentlich diffamiert werden’.“2 Heckels drei Stellvertreter werden Hans-Günter Naumann (237 Stimmen), Hans Stadler (179 Stimmen) und Ulrike Mascher (174 Stimmen). Kronawitter geht mit 125 Stimmen leer aus. Der Konflikt zwischen dem linken und dem rechten Flügel in der Partei löst in der Berichterstattung des größten Teils der Presse beinahe reflexartige Distanzierungen aus: So ein Sauhaufen sei nun einfach überhaupt nicht wählbar.3

Die Sozialdemokraten haben sich genauso wie die Christsozialen „modernisiert“. (Was, noch moderner?) Die Bundestagswahl findet am 3. Oktober 1976 statt. Sie ist nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt im Jahre 1974 die erste Bewährungsprobe für dessen Nachfolger Helmut Schmidt. Für die Unionsparteien tritt der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl, an. Trotz eines Stimmengewinns für die Unionsparteien kann sich die sozialliberale Koalition behaupten, jedoch verliert die SPD ihre Position als stärkste Bundestagsfraktion. In München verliert die SPD vier von fünf Bundestagsmandaten an die CSU. Der einzige erfolgreiche SPD-Direktkandidat hatte sich im Vorfeld vom „marxistischen Flügel der SPD“ abgegrenzt. Die SPD zog unter dem Motto „Modell Deutschland“ in den Wahlkampf, die CDU plakatierte unter anderem „Weiter so, Deutschland. Stabile Preise. Sichere Renten. Mehr Arbeitsplätze“. „Freiheit statt Sozialismus“ bleibt die wichtigste Parole der Konservativen.4


1 Münchner Stadtzeitung, Münchner Merkur 56 vom 8. März 1976, 15.

2 Münchner Stadtanzeiger 23 vom 19. März 1976, 4.

3 Siehe „Zerstrittener Haufen“ von Siegfried Ludwig.

4 Siehe „‘Frei’-Gesetzt“ von Knut Becker.

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SPD. In: Protest in München seit 1945. Stand: 19. Oktober 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/586 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).