Flusslandschaft 1984
Jugend
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Wilfrid Grote, Hausautor am Theater der Jugend in der Ära Flügge: „…Ich nahm mir die Familie als Keimzelle von Egoismus und Faschismus vor und entwickelte daraus die unterschiedlichsten Auseinandersetzungen. Familie – das ist die direkte Konfrontation mit Macht und Diktatur. Ein Kind wird in eine Diktatur hineingeboren, die Beengung durch Erziehung und Verbote reicht tief in die Entwicklungsgeschichte hinein. Hier kann ich Charaktere gut formulieren, hier kann ich eben auch inhaltlich zu neuen ästhetischen Formen gelangen … Für mich hat Theater immer auch den Aspekt, aufzuwühlen, die Dinge beim Namen zu nennen, Emotionen herauszufordern. Ich halte es mit dem alten Aristoteles: Die Katharsis ist das Entscheidende. In der Katharsis liegen die politischen Aspekte. Auch die Auslösung von Gefühlen innerhalb der Familie ist ein entscheidender gesellschaftlicher Aspekt … Eine meiner wichtigsten Arbeiten und meine letzte Produktion war »Spass und Elend im dritten Zimmer« für Jugendliche ab zwölf Jahren. Es geht um die schwärzlichsten Ausformungen der Erziehung, um die subtile Gewaltanwendung gegen Kinder, eine Art Collage, in der wir die deutsche Familie Revue passieren lassen. Woraus folgen könnte, daß es ein Stück für Kinder ist. Aber gegen Eltern … Podiumsgespräche, Presseberichte, Auseinandersetzungen in Schulen und Familien, die spannend waren, provozierend, die mich mitgerissen haben. Das war eingreifendes Theater. Da hatte ich das erste Mal das Gefühl, daß Theater eine Wirkung in der Gesellschaft hat.“1
1 Zit. in: Gudrun Lukasz-Aden, Der eine kämpft, der nächste erntet. Vierzig Jahre Theater der Jugend. Vierzig Jahre Theater-Geschichte, (München 1993), 77 ff.
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Jugend. In: Protest in München seit 1945. Stand: 29. Dezember 2025. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/12263 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).