Flusslandschaft 2018

Kapitalismus

Das alte Bild vom Kapitalisten ist überholt. Weder trägt er Zylinder noch Gehrock und pafft auch keine dicke Zigarre mehr. Gibt es noch nennenswerte deutsche Kapitalisten? In seinem neuen Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ (Köln, 2018) beschreibt dessen Verfasser Werner Rügemer, wie verschiedene Typen von global agierenden Finanzakteuren, „Schattenbanken“ wie z.B. Blackrock und Blackstone, das wichtigste unternehmerische Kapitaleigentum organisieren. Er nennt sie die „zivile Privatarmee des westlichen Kapitalismus“. Sozialcharaktere ändern sich. Bis in die 60er Jahre dominierte der patriarchial-autoritäre Charakter. Der neoliberale Kapitalismus brachte den Narzisten hervor. Dieser wurde ab der 1990er Jahre zunehmend vom „finanzialisierten Risikosubjekt, dem »funktionellen« Psychopathen“ abgelöst. „… Sie operieren meistens sehr effizient und besitzen Eigenschaften wie unbedingte Fokussiertheit, übersteigerte Egozentrik, den unaufhörlichen Hang zu Optimierung und Skrupellosigkeit, sie mobilisieren die Anteilnahme anderer als ein Privileg, das rein der eigenen Nutzenoptimierung und dem endlosen Streben nach der eigenen Singularität dient. Sie leben die Unaufrichtigkeit, die Korruption und das herrische Auftreten bis in die Haarspitzen hinein, und dies alles geschieht im Rausch völliger Spontaneität, deren Fleisch gewordene Realität heute in ungefähr das Kunstprodukt Trump darstellt …“1


1 https://www.autonomie-magazin.org/blog/2018/11/22/die-surplusbevoelkerung-vegetiert-heute-auf-dem-schmalen-grat-zwischen-ueberleben-und-liquidierung/

Diesen Artikel zitieren

Kapitalismus. In: Protest in München seit 1945. Stand: 22. September 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/5858 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).