Materialien 2024
BDS
Zuletzt geändert:
An den bundesdeutschen Verfassungsschutz
19. Juli 2024
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe Ihre diesbezüglichen Aussagen über BDS gelesen. Dort wird kein einziger Belege dafür angegeben, daß BDS verfassungsfeindliche Ziele verfolgt. Vielmehr mißbrauchen Sie ihre Funktion, über verfassungswidrige Bestrebungen zu berichten, zugunsten einer politischen Einordnung, die Ihnen gar nicht zusteht. Sie verstoßen damit selber gegen ihren verfassungsmäßigen Auftrag. Ich bin kein Jurist, aber wenn sich eine staatliche Behörde zu einem Organ mit politischer Ausrichtung pervertiert, stellt sich für mich die Frage, ob sie selbst noch auf dem Boden unserer freiheitlichen Grundordnung steht. Es wäre nicht zum ersten Mal gewesen, daß Gerichte den Bestrebungen des Verfassungsschutzes Einhalt geboten hätten.
Sie berufen sich allen Ernstes auf den BDS-Beschluß des Bundestags, obwohl das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig diesen Beschluß als verfassungswidrig eingestuft hat. BDS wird sogar von renommierten Antisemitismusforschern als legitime Bewegung angesehen. So schreibt der Antisemitismusforscher Dr.Dr. Peter Ullrich:
„diese ist, wie gesagt, nicht an sich antisemitisch, sie hat keinen kontextfreien wesenskern. Angesichts des klaren völker-und menschenrechtsbruchs, den die aufrechterhaltung und andauernde vertiefung der besatzung darstellt, gehört sie zum zu erwägenden strategischen repertoire einer bewegung gegen die besatzung und insbesondere dann, wenn sie sich gegen waren aus den komplett illegalen und illegitimen siedlungen richtet“ (antisemitismus, shoa und deutsche verantwortung. Die (nach-)wirkungen des nationalsozialismus im nahostdiskurs), in: „bds/boykott, desinvestition und sanktionen. Königsweg der befreiung oder sackgasse der geschichte“, berlin 2011.
Und der dem Verfassungsschutz zuarbeitende Politologe Prof. Pfahl-Traughber schreibt:
„eine pauschale identifizierung von aktuellen boykott-forderungen gegenüber israel mit diesem historischen antisemitischen agieren (gemeint ist der ns-boykott, anm. von mir) ignoriert zunächst einmal die politischen gegebenheiten heute … Demgemäß bedarf es auch hier einer genauen betrachtung und untersuchung der jeweiligen akteure der boykott-forderungen“ (Antizionistischer Antisemitismus, antiimperialistische Israelfeindlichkeit und menschenrechtliche Israelkritik, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 24 (2015), S. 305.)
Der bekannteste Antisemitismusforscher Prof. Wolfgang Benz schreibt sogar:
„Wer diese Bewegung als antisemitisch abstempelt, hat primär ein politisches Interesse – und kein Interesse an Aufklärung und Frieden. Wer die Boykott-Bewegung, der ich persönlich ganz ferne stehe, im Kern als antisemitisch bezeichnet, hat schon Partei ergriffen und sich fanatisieren lassen – und ist zu keinem unbefangenen Urteil mehr fähig“. (https://www.swp.de/politik/inland/interview-mit-antisemitismusforscher-wolfgang-benz-30241771.html).
Mit verfassungsfreundlichen Grüßen
Franz Piwonka
Zugeschickt am 21. Juli 2024
Diesen Artikel zitieren
BDS. In: Protest in München seit 1945. Stand: 23. August 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/6388 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).