Flusslandschaft 2026

Gewerkschaften/Arbeitswelt

- Allgemeines
- DGB

- BMW
- Hochschulen und Unikliniken
- Lufthansa
- Münchner Verkehrsgesellschaft
- Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten
- Sozialarbeit
- Theater
- Kliniken, Arztpraxen, gesetzlich Versicherte …


Allgemeines

Im April tönt die Hohe Politik aus allen Lautsprechern: Der Sozialstaat sei auf Dauer zu bürokratisch, unfinanzierbar und damit reif für weiteren Abbau, alle müssten den Gürtel enger schnallen, sollten länger arbeiten, die staatliche Rente werde nur noch ein Sockel der Altersabsicherung sein, die Lebensarbeitszeit müsse verlängert werden, das Land müsse endlich konkurrenzfähig werden, die Medikamenten-Zuzahlung werde steigen, die Krankenmitversicherung für Ehepartner stehe vor dem Aus … Das meinten schon die Bundeskanzler Schröder und Scholz. Sie nahmen untere Einkommensgruppen und BezieherInnen von Sozialleistungen ins Visier, erhöhten den medial-psychologischen Druck und forderten von ihnen materielle Einschnitte in ihrem Lebensalltag. Heute wird die Phrase vom unbezahlbaren Sozialstaat mit Leistungen, Zuschüssen und Entlastungen für Besserverdienende und Unternehmen begleitet, Freibeträge werden für sie erhöht, Sonderleistungen erlaubt, Steuern gesenkt und Zuschüsse für Immobilien bis Gigafactorys gewährt. Standortpolitik verdrängt Sozialpolitik. Gerade in Krisenzeiten wird deutlich, dass der Staat weder ein klassenneutraler »Volksstaat« noch eine Anstalt für das allgemeine Wohlergehen ist. Sein Job ist es, die Kapitalakkumulation am Laufen zu halten. Heute sollen repressiven Massnahmen bis an die „Grenze dessen gehen, was verfassungsrechtlich zulässig ist“1, meint Arbeitsministerin Bärbel Bas. Basta!

Kimmt da Chef eini, macht a Spassettl und pfeigrod: Olle lachan, dass ganz aus is – bis auf oane. „An Spass vastehst glei goa net“, moant a Kollege amüsiert, da sogt sie, „an Spass scho, aba i hob scho kündigt“.

DGB

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Die Erste-Mai-Demo des DGB führt vom Job-Center zum Marienplatz. Auf der Kundgebung spricht die Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner. Die „revolutionäre Erster-Mai-Demo“ beginnt um 14 Uhr auf dem Rindermarkt.4


BMW

Für Montag, 21. September, ruft die IG Metall deutschlandweit unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ zu Protesten vor allem gegen den Stellenabbau in der Automobilindustrie auf. In München fahren rund 250 Personen in einem knapp 100 Fahrzeuge umfassenden Autokorso um das BMW-Werk, die BMW-Welt und zur Parkharfe am Olympiapark. Für Samstag, 26. September, sind erneut Demos geplant.

HOCHSCHULEN und UNIKLINIKEN

Für Mittwoch, 28. Januar, ruft ver.di Beschäftigte an Universitäten und anderen Hochschulen, in Studierendenwerken und Forschungseinrichtungen zu Warnstreiks auf. Der „Campus-Streiktag“ umfasse Kundgebungen, Infostände und Aktionen. Am Donnerstag finden Streiks an den Uni-Kliniken statt.

LUFTHANSA

Bei der Fluggesellschaft gehen am Donnerstag, 12. März, Piloten und Flugbegleiter gleichzeitig in einen ganztägigen Streik. Während die Piloten laut Aufruf der Vereinigung Cockpit (VC) für höhere Betriebsrenten streiken, will die Kabinengewerkschaft Ufo einem Sprecher zufolge mit einem Warnstreik Verhandlungen zu verschiedenen Tarifverträgen erzwingen. Die Flüge der Kernmarke Lufthansa und der Frachtfluggesellschaft Lufthansa Cargo, die Regional-Tochter CityLine, Anreisen von Cockpit-Beschäftigten zum Einsatzort, Bereitschafts- und Reservedienste sowie Simulatortrainings werden ebenfalls bestreikt. Lufthansa-Chef Carsten Spohr ist sauer: Im Konzern könne Wachstum nur dort stattfinden, wo Geld verdient werde.

Freitag, 10. April: Ein Streik des Kabinenpersonals führt seit Mitternacht bis 22 Uhr am Münchner Flughafen zu etwa 400 Flugausfällen. In dem Konflikt geht es um die Tarifverhandlungen zum Manteltarif und nach Ufo-Angaben um die fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der CityLine über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Daran hingen rund 800 Existenzen. Von den ursprünglich 915 für Freitag geplanten Starts und Landungen werden 420 annulliert. Auch in den folgenden Tagen wird gestreikt.

MÜNCHNER VERKEHRSGESELLSCHAFT

Montag, 2. Februar, Warnstreik: Die MVG erwartet bei Bussen einen stark eingeschränkten Betrieb. Die U-Bahn bleibe aus Sicherheitsgründen zunächst außer Betrieb. Ob später zumindest eine Linie fahren könne, hänge davon ab, ob genug Personal den Dienst antrete. Ähnlich sei die Situation bei der Tram. Ver.di fordert dabei unter anderem eine Erhöhung der Tarifgehälter um 668,75 Euro pro Monat sowie die Reduzierung der Wochenarbeitszeit um 3,5 Stunden auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Da es zu keiner Annäherung der Tarifparteien gekommen ist, wird bei der MVG auch am 27. und 28. Februar gestreikt. Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) bewegt sich nicht. Ab Mittwoch, 18. März, ruft die Gewerkschaft erneut Bus-, Straßenbahn- und U-Bahnfahrer zum Streik auf. Zwischen 11 Uhr am Mittwoch und 4 Uhr am Freitagmorgen gehen die Beschäftigten des kommunalen Nahverkehrs in den Ausstand. Erste Einschränkungen drohen aber bereits am Dienstag (17. März). Dann sind nämlich bereits die Mitarbeiter der Leitstelle sowie beim Fahrgastservice zum Streik aufgerufen. Von Donnerstag, 9. April, werden bis Samstagmorgen die Werkstätten von Bus, Tram und U-Bahn sowie alle Bereiche der Infrastruktur bestreikt.

Die Gewerkschaft ruft für Dienstag, 14. April, zu ganztägigen Warnstreiks im bayrischen Nahver kehr auf. Betroffen sind unter anderem U-Bahn, Bus und Tram in München und Nürnberg.

PSYCHOTHERAPEUTINNEN und PSYCHOTHERAPEUTEN

Anfang März wird bekannt, dass die Honorare für PsychotherapeutInnen ab dem 1. April um 4,5 Prozent gekürzt werden sollen, während die Strukturzuschläge für Personalkosten um 14,5 Prozent steigen. Trotz dieser Erhöhung ergibt sich laut Berechnungen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ein Einnahmerückgang von etwa 2,3 Prozent. Die Bundespsychotherapeutenkammer geht sogar von einem Minus von mindestens 2,8 Prozent für die Praxen aus. Eine Protestdemonstration mit 250 Teilnehmern beginnt am Mittwoch, 15. April, um 13 Uhr vor dem Sendlinger Tor und führt zum Maxmonument vor der Regierung von Oberbayern. Auf Transparenten ist zu lesen: „Wartezeiten kürzen statt Honorare“ und „Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit“

SOZIALARBEIT

Ob Pflegekraft, Lehr- oder Reinigungskraft, ob Handwerker*in, ob Sozialarbeiter*in oder städtische Beschäftigte, ob Künstler*in, ob Renter*in oder Kinder und Jugendliche, ob städtisch-geförderte Einrichtung oder Wohnungslose … – die derzeitigen und noch anstehenden massiven Kürzungen betreffen alle. Dabei hat der Stadtrat am 17. Dezember noch nicht einmal alle bereits angedachten Kürzungen beschlossen (44 Mio im Sozialen, 18 Mio bei der Kultur). Dass wegen der Kommunalwahlen wesentliche und schmerzhaftere Teile der geplanten Streichungen auf nach der Wahl verschoben wurden, ist schlicht und einfach WählerInnentäuschung! Denn es geht nicht nur um Stellenstreichungen und einen Einstellungsstopp bei städtischen Bediensteten, der sich besonders stark im Sozialen, bei der Bildung, der Kultur und bei der Nachhaltigkeit auswirkt, sondern darum ob ein Service für die BürgerInnen überhaupt noch geleistet werden kann. Überlastetes Personal bedeutet z.B. dass Wohngeldanträge nicht bearbeitet, Pässe nicht ausgestellt und soziale Leistungen eingeschränkt werden. Eine Kundgebung findet am Samstag, 28. Februar, um 14 Uhr auf dem Marienplatz statt.5

THEATER

Ver.di ruft zum ersten bundesweiten Theaterstreiktag am Freitag, 23. Januar, auf. Dabei gehen auch die Beschäftigten der Münchner Theaterhäuser auf die Straße. Die zentrale Kundgebung findet um 14 Uhr vor dem bayrischen Finanzministerium am Odeonsplatz statt.6

KLINIKEN, ARZTPRAXEN, GESETZLICH VERSICHERTE


Die Bundesregierung plant Einsparungen von rund 16,3 Milliarden Euro ab 2027 im Gesundheitswesen: weniger Geld für Krankenhäuser, mehr Druck auf Pflegekräfte und Beschäftigte, mögliche höhere Beiträge oder weniger Leistungen für Versicherte und starre Kostendeckel für Kliniken. Die Folgen sind klar: mehr Belastung im Alltag, weniger Zeit für Patientinnen und Patienten und schlechtere Arbeitsbedingungen – bei sinkender Versorgungsqualität. Das Beitragsstabilisierungsgesetz verschärft das zusätzlich: Es schwächt Kliniken, belastet Versicherte weiter und verlagert Kosten auf die, die das System am Laufen halten.


1 Zit. in: https://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/kaum-widerstand-gegen-sozialabbau-jeder-wird-verschlissen-aber-jeder-anders-009716.html

2 Siehe https://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/panorama/zuerst-unsere-jobs-dann-eure-profite-wuerdigung-einer-historischen-forderung-009675.html.

3 Fotos: Hans Nagel

4 Siehe
- https://youtu.be/GTX5o4tjeug und
- https://igel-muc.de/images/mai1/2026/.

5 https://unkürzbar.org/

6 Siehe https://kunst-kultur.verdi.de/schwerpunkte/gemeinsam-verhandeln/++co++6f458df6-c546-11f0-9765-219dab4fbe76.

Diesen Artikel zitieren

Gewerkschaften/Arbeitswelt. In: Protest in München seit 1945. Stand: 22. September 2026. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/12888 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).