Materialien 2006
Eine Frage
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… Wir dürfen es nie so weit kommen lassen, dass wir für unsere Gegner berechenbar werden. Daraus folgt, wir verlassen die vom Gegner aufgestellten Regeln und verhalten uns so, dass er uns nicht kontrollieren kann. Wir haben zwar unsere Grundüberzeugungen, unsere konsequente Einstellung, aber sind zugleich immer beweglicher als der Gegner und machen es ihm damit unmöglich, das Gesetz des Handelns an sich zu ziehen. Wir haben vielfältige Aktionsformen entdeckt, die sich ergänzen und von Fall zu Fall variiert werden können: Das beginnt mit Aufrufen zum Antimilitarismus, Antiparlamentarismus, Antinationalismus und Kirchenaustritt, verunsichert die etablierten Oligarchien und veröffentlicht ihre Machenschaften und führt weiter über Sabotage, Boykott, Obstruktion, passive Resistenz und Generalstreik hin bis zu Gründungen eigener selbstbestimmter Lebens- und Arbeitsformen.
Um es ganz konkret zu formulieren: Die Frage lautet: Ist das Ergebnis in der Auseinandersetzung mit dem Gegner ergebnisoffen oder steht von vorneherein fest, wer welche Rolle spielt. Spiele zum Beispiel ich den Sparringspartner, dann – ganz offen gesagt – will ich für diesen nicht ungefährlichen Job Kohle sehen und anständig krankenversichert werden. Wie schätze ich diese Situation ein? Bin ich Komparse für strategische Übungen, die den staatlich geführten Bürgerkrieg vorzubereiten helfen? Denn der Weg in die Disziplinargesellschaft wird zügig beschritten …
Richy Meyer bei einem Vortrag am 26. Februar 2006 im Kafe Marat in der Thalkirchner Straße 104.
Diesen Artikel zitieren
Eine Frage. In: Protest in München seit 1945. Stand: 22. Februar 2016. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/3245 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).