Materialien 1947
Allzu schönen Masken ins Stammbuch
Zuletzt geändert:
Man sieht seit Jahren sehr viel Maskerade,
obgleich der Fasching nur von kurzer Frist.
Drum wird es auf die Dauer reichlich fade,
wenn jeder anders scheinen möchte, als er ist.
So gibt es beispielsweise Demokraten,
die nicht mit Brustton nur, nein schon mit Bauchton schrei’n!
Doch kratzt man etwas an den frischen weißen Putz-Fassaden,
trifft man bald auf den alten, harten, braungebrannten Stein.
Warum nur quält Ihr Euch so, meine Besten,
indem Ihr scheinbar neue Töne wild und machtvoll schnaubt?
Seid glücklich, Ihr „Nicht-mehr-Hineingepreßten“,
dass man Euch Eure Unschuld mangelnder Beweise wegen glaubt.
Nun blast nicht, was in Wahrheit euch nie brannte,
geht nicht mit Euresgleichen überheblich ins Gericht!
Man schenkt’ Euch eine Maske, eh’ man Euch erkannte:
den weißen Fragebogen.
Nehmt ihn – doch bitte möglichst lautlos – vors Gesicht!
E.H.
Der Simpl. Kunst, Karikatur, Kritik 2 vom Januar 1947, 20.
Diesen Artikel zitieren
Allzu schönen Masken ins Stammbuch. In: Protest in München seit 1945. Stand: 27. Juni 2013. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/4349 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).