Flusslandschaft 2024
Atomkraft
Zuletzt geändert:
Dienstag, 17. Januar, 20.15 Uhr, Bayerisches Fernsehen: „Jetzt redi“1 Unter anderem redet auch der MP. Söder fordert Kernenergie. Auf die Bürgerfrage, „wo in Bayern hätten Sie gerne das Endlager für den Atommüll?“, antwortet Söder: „Gute Frage – aber eine noch bessere Antwort. In den USA werden neue Atomreaktoren gebaut, die den Atommüll verarbeiten.“
Darauf Raimund Kamm, Vorstand im FORUM Gemeinsam gegen das Zwischenlager und für eine verantwortbare Energiepolitik e.V.: „Falsch! Dies behauptet zwar seit Jahren die AFD. Doch nirgendwo auf der Welt gibt es Modelle, geschweige denn Prototypen solcher Reaktoren. Das ‚Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung‘ (BASE) wies darauf hin, dass die hier gemeinten Techniken von Partitionierung und Transmutation bisher noch nicht mal im Labor funktionieren und auch keinesfalls ein Endlager erübrigten.“2
Söder: „Wir dagegen planen Atommüll-Endlager für eine Million Jahre Haltbarkeit.“
Raimund Kamm: „Söder drückt dann mit weiteren Worten aus, dass dies Stuss sei. Er sagt sich hiermit von dem – übrigens auch von Bayern mit beschlossenen – Standortauswahlgesetz los. Und dabei hat Bayern von allen Bundesländern den meisten hochradioaktiven Atommüll erzeugt und lagert diesen heute in den drei gefährlichen oberirdischen Zwischenlagern in Grafenrheinfeld, Gundremmingen und Ohu, sowie außerhalb Bayerns im niedersächsischen Gorleben und im westfälischen Ahaus. Wenn kein Endlager verwirklicht wird, wird dieser tödlich strahlende Müll Bayern in einigen Jahrzehnten oder Jahrhunderten verseuchen. Oder durch einen Terroranschlag passiert dies schon früher.
Auch deutete Söder dann an, wir bezögen Atomstrom vom Ausland, weil wir davon abhängig seien.
Falsch! Deutschland war in den letzten zwei Jahrzehnten – im Prinzip seit dem durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz angereizten Ausbau der Erneuerbaren Energien mit viel Biogas, Solar und Windkraft – immer Stromnettoexporteur. Es gibt jedoch warme Monate, wenn Frankreich wenig elektrisch heizt und dann zu viel Atomstrom hat, dass dieser so billig (ohne Einpreisung von Abschreibungen, Fix- und Folgekosten) angeboten wird, und dann teurere Gas- und Kohlekraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Wir waren in den letzten Jahrzehnten nie auf Stromimporte aus Frankreich angewiesen. Frankreich hingegen hatte immer wieder Probleme mit Wassermangel und besonders gravierend mit Rissen in den AKW und brauchte dann Strom aus Deutschland.
Nach weiteren Aussagen von Söder, dass so viele andere Länder auf die Atomenergie setzten, hält ihm der Moderator Tilmann Schöberl vor: Aber Sie waren nach Fukushima doch auch für den Ausstieg. Söder antwortet: Erstmal hat da keiner über Klima geredet. Zweitens war russisches Gas billig.
Falsch! Schon 1987 bildete der Deutsche Bundestag eine ENQUETE-KOMMISSION ‚Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre‘. 1992 verpflichtete sich auf der UN-Konferenz ‚Umwelt und Entwicklung‘ in Rio de Janeiro die deutsche Bundesregierung, die ‚Treibhausgase auf einem Niveau zu stabilisieren, daß eine gefährliche von Menschen gemachte Störung des Klimasystems verhindert wird.‘ In all den Folgejahren wurde dies engagiert in Deutschland diskutiert und die Bundesregierungen beschlossen immer wieder neue Klimaschutzziele. Das müsste Söder, der damals Umweltminister war, wissen. Auf die Gefahren der Abhängigkeit von russischen Energieimporten haben wir Umweltschützer immer wieder hingewiesen. Ich selber habe dies in zig-Vorträgen angesprochen.“3
Der Garchinger Forschungsreaktor soll im Sommer wieder hochfahren. Die TU München will ihn noch viele Jahre mit bombenfähigem hochangereicherten Uran betreiben, das sie vom russischen Staatskonzern Rosatom bezieht. Das macht sie jetzt auch vor Gericht deutlich. Der Bund Naturschutz hat geklagt, weil die in der Betriebsgenehmigung des Reaktors gesetzte Frist zur Umrüstung auf einen ungefährlicheren Brennstoff seit 2011 verstrichen ist. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof wertet die Frist am 18. Juni allerdings nicht als verbindlich und weist die Klage ab.4
Franz Gans meinte einmal, die Freunde der Atomkraft wären dann glaubwürdig, wenn sie ihre Garage oder ihren Keller als Atommüllendlager anbieten würden. Tatsächlich steht bis heute nicht fest, wohin mit dem strahlenden Abfall. Karl Stankiewitz erinnert sich.5
1 https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2Q4NjRmMzljLTEwMWQtNGFlMC05ZTA2LWIzMmE3NTRkODBiOQ (Ab Min. 39:35)
2 https://www.base.bund.de/SharedDocs/Faktencheck/BASE/DE/2018-02-02-transmutation.html
3 Siehe www.atommuell-lager.de und www.facebook.com/pages/FORUM-gemeinsam-gegen-das-Zwischenlager-eV/152276034836072.
4 Siehe
- https://www.bund-naturschutz.de/pressemitteilungen/gerichtsurteil-forschungsreaktor-garching-darf-hochangereichertes-uran-verwenden und
- https://umweltfairaendern.de/2024/06/19/klage-abgewiesen-revision-nicht-zugelassen-forschungsreaktor-garching-darf-atomwaffenfaehig-weiter-machen/.
5 Siehe „Atommüll“ von Karl Stankiewitz.
Diesen Artikel zitieren
Atomkraft. In: Protest in München seit 1945. Stand: 21. August 2024. URL: https://protest-muenchen.sub-bavaria.de/artikel/5826 (abgerufen am TT.MM.JJJJ).