Flusslandschaft 1991

Umwelt

Am 16. Februar findet eine Demonstration für „Das bessere Müllkonzept“ statt.1 Die Abstimmung findet am 17. Februar 1991 statt. Das Volksbegehren scheitert.

Autogeher Michael Hartmann beginnt mit Carwalking-Seminaren. Am 27. April spricht er in Konstanz; in den folgenden Jahren in weiteren Städten. Am 15. Mai sind es schon zwölf Menschen, die von der Hohenzollernstraße aus ausgerüstet mit Transparent und Tafeln die Leopoldstraße auf drei Fahrspuren Richtung Süden etwa 15 bis 20 Minuten gehen. „Dass uns keine Polizei in die Quere kam, hatte alle verwundert, doch wussten wir auch, dass dieses noch früh genug kommen würde …“ Am 29. Mai gehen vier Menschen auf der gesamten Fahrbahnbreite der Theresienstraße Richtung Westen. Auf dem 6 × 1,5 m großen Transparent heißt es: „Herr Kronawitter, wir wollen keine privaten Autos mehr in unserer grünen Stadt: Nur noch Krankenwagen, Behindertendienst und Lieferwagen und ähnliches. MVV billiger, öfter und die ganze Nacht. Oder: Ozonbunker für Kinder und Alte“ (Das Urteil vom 3. Juni 1992 lautet 60 Tagessätze à 20 Mark.) „… Eine Woche darauf trafen wir uns am Sendlingertor-Platz. Von hier aus wollten wir auf der vierspurigen Sonnenstraße spazieren gehen. Wie staunten wir, als sich gut 20 Menschen aufmachten, uns sieben HauptaktionistInnen zu begleiten …“ Roland Schraut filmt, wie Hartmann mit seiner Gruppe am 19. Juni etwa 500 Meter auf der Tegernseer Landstraße spazieren. In der anschließend verfassten Presseerklärung heißt es u.a.: „Wir fordern alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt auf, sich gegen den vom Automobil verursachten ‚Verkehrsterror’ zur Wehr zu setzen. Wir sind uns bewusst, dass wir mit unseren Protestmärschen den legalen Rahmen überschreiten und sind bereit, die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen. Denn wenn die Verantwortlichen in unserem Staat es auf so eklatante Weise versäumen, die notwendigen Schritte zum Schutz der Gesundheit ihrer Bürger und der Umwelt einzuleiten, wird Widerstand zur Pflicht!“2

Die viel befahrene Rosenheimer Straße in Haidhausen kann oft nur nach weiten Umwegen verkehrssicher überquert werden. Das Aktionsforum Stadtverkehr führt am 3. Mai eine mehrstündige Aktion durch. Es verlegt vor der Commerzbank mit weißen zugeschnittenen Tüchern einen imaginären Fußgängerüberweg. Das Aktionsforum fordert außerdem den Rückbau der Fahrbahn zugunsten von Radwegen und Baumpflanzungen.

Vor der mit Durchgängen durchbrochenen Verbindungsmauer zwischen den beiden östlichen Türmen des Isartors befindet sich ein Gerüst. Hier führen am 26. Mai vierzig Aktivistinnen und Aktivisten von Greenpeace eine unangemeldete Aktion durch. Sie befestigen ein unübersehbares Transparent mit der Aufschrift „Autos raus aus der Stadt – Greenpeace“.

„BMW-Reklame von Umweltamt gerügt – Das Umweltbundesamt warnt die Verbraucher vor irreführender Werbung mit der vermeintlichen Umweltfreundlichkeit von Produkten. Als ein Beispiel von ,offenkundigem Missbrauch’ wurde der Münchner Autokonzern BMW genannt, der in einer Reklameanzeige den Eindruck erweckt habe, seine Kat-Autos hätten mit Sommersmog und Stickoxiden nichts zu tun. Heinrich von Lersner, Präsident des Umweltbundesamtes schloss staatliche Schritte gegen solch missbräuchliche Reklame nicht aus.“3

„Widerstand gegen die Blechlawine“, dieses Motto des Aktionsforums Stadtverkehr dient als Hintergrund der Kundgebung „Autos raus und Leben rein in die Stadt“ mit Straßenfest und anschließender Radldemo am 26. Oktober am Stachus.


1 Siehe „das bessere müllkonzept“ von Cornelia Blomeyer.

2 Michael Hartmann, Der Autogeher. AutoBiographie eines AutoGegners. März 1988 bis Juli 1997, München 1997, 42 ff.

3 Metall. Zeitung der Industriegewerkschaft Metall 15 vom 26. Juli 1991, 7.

Überraschung

Jahr: 1991
Bereich: Umwelt

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