Flusslandschaft 1993

Internationales

Allgemeines
Jugoslawien
Türkei und Kurdistan
Nordamerika


Journalisten helfen Journalisten (JhJ) wird auf Initiative eines kleinen Kreises von überwiegend Münchener Journalistinnen und Journalisten unmittelbar nach der Ermordung des SZ-Journa-
listen Egon Scotland im Verlauf einer Reportagereise durch das kroatische Kriegsgebiet ins Leben gerufen. JhJ ist ein unabhängiger und überparteilicher Verein. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Not geratenen Kolleginnen und Kollegen, deren Hinterbliebenen und deren Familien solidarisch und unbürokratisch zu helfen. Zugleich informiert er die Öffentlichkeit über das Schicksal von verfolgten, verletzten, vertriebenen oder getöteten Journalistinnen und Journalisten. Der Schwer-
punkt der Arbeit von JhJ liegt in den Anfangsjahren vornehmlich in Bosnien, Kroatien, in Serbien und im Kosovo.

2011 hat sich der Einzugsbereich weltweit ausgeweitet. So unterstützte der Verein etwa Journa-
listinnen und Journalisten aus Tunesien, Haiti, Peru, Pakistan, Kasachstan, Usbekistan, Belarus, Zimbabwe, Ruanda und Syrien mit Hilfen zum Lebensunterhalt, Unterstützung bei medizinischer Behandlung, Kinder-Patenschaften, Beihilfen für die Wiederbeschaffung zerstörter Arbeitsmittel wie Computer, Schreibmaschinen, Fotoausrüstungen. Der Verein hilft zudem bei der Publikation von Texten unterstützter Autoren in deutschsprachigen Medien.

„Civil Globalization“: Es besteht ein enges Netzwerk mit Journalistinnen und Journalisten aus vielen Ländern. An erster Stelle ist hier das globale Netzwerk Journalists in Distress zu nennen. Dem haben sich auch das amerikanische Committee to Protect Journalists (New York), die Re-
porters Sans Frontieres
(Paris/Berlin), das kanadische IFEX-Büro (International Freedom
of Expression Exchange
, Toronto), der britische Rory-Peck-Trust (entstanden nach dem ge-
waltsamen Tod des Kameramannes Rory Peck 1993 in Moskau), Front Line aus Irland, „Article
19“
(London), der internationale PEN, und Journalisten helfen Journalisten angeschlossen.

Koordiniert wird dieses Netz von der kanadischen Organisation Canadian Journalists for Free Expression (CJFE), die wiederum auch das zwei Mal wöchentlich erscheinende IFEX-Comunique herausgibt. Dieser Newsletter (www.ifex.org) berichtet kontinuierlich und mit detaillierter Ver-
linkung zu den jeweiligen Quellen über Verletzungen der Pressefreiheit und Behinderungen von Journalisten vornehmlich in den weltweiten Kriegsgebieten und Krisengebieten.

JhJ hat außerdem Kontakte zu amnesty international, der Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte sowie dem Medienbeauftragten der OSZE (Wien). Finanziert wird die ehrenamtliche Arbeit des Vereins ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen.1

JUGOSLAWIEN

„Gegen die großdeutsche Einmischung am Balkan“ demonstrieren Anfang des Jahres 600 bis 800 Menschen. Aufgerufen dazu haben der Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD, das Serbi-
sche Kulturforum
, die DKP, die PDS und weitere linke Gruppen. Unter den Rednern befindet sich auch Gottfried Niemetz vom Bund gegen Anpassung, einer recht obskuren Gruppe. Schlimmer noch: Uniformierte Tschetniks treten auf. Die Organisatoren der Demonstration erscheinen mehr als naiv, sie müssten eine klare Abgrenzung zu den serbischen Nationalisten ziehen.

… Juni, „Nachbar Bosnien — Fotografien und Presseberichte zur Tragödie Bosnien-Herzegowina“, Ausstellung in der Seidlvilla in Schwabing …

TÜRKEI und KURDISTAN

Europaweit werden im Rahmen der „Sommeroffensive“ der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) am 24. Juni diplomatische Vertretungen der Türkei und andere türkische Einrichtungen angegriffen. In München besetzen dreizehn Kurden das türkische Konsulat in der Menzinger Straße 3, um gegen die Politik der Türkei zu protestieren.

Am 26. November verbietet Innenminister Kanther die Kurdische Arbeiterpartei Partyra Karkerên Kurdistan (PKK) und 35 weitere kurdische Vereinigungen in Deutschland, die er
als Tarnorganisationen der PKK ansieht. Mit dem Verbot der PKK und des Vereins Komala Kurdistan e.V. häufen sich Proteste der Kurden. Jetzt werden auch Demonstrationen verboten.
Es kommt zu Prozessen. Im selben Monat durchsucht ein großes Polizeiaufgebot die Räume
von Komala in der Westendstraße 49. Auf der Suche nach PKK-Material wird alles beschlag-
nahmt.

Am 4. Dezember findet eine Demonstration gegen das PKK-Verbot statt.

NORDAMERIKA

Die Aktionsgruppe Indianer und Menschenrechte (AGIM) eröffnet ihr Büro in der Frohschammerstraße in Milbertshofen.2


1 Siehe www.journalistenhelfen.org.

2 Siehe www.agim-online.de/