Flusslandschaft 1996

Seniorinnen und Senioren

Donnerstag, 14. März, 16 Uhr, Marienplatz: Die »Aktionsgemeinschaft gegen die Telephongebüh-
renerhöhung« im Senioren-Schutz-Bund Graue Panther protestiert gegen die »Willkür des Tele-
kom-Monopolisten«. »Franz Fischer, Münchens oberster Panther, zeigte seine spitzen Zähne: Sottisen und eine Salve von flotten Sprüchen gegen die Gebührenreform („Mogelpackung“), gegen die Telekom („Teleflopp“) und ihren Chef Ron Sommer („Wunderkind“), gegen den Postminister Wolfgang Bötsch („auf dem Abschuß“), gegen die Telekomwerbung („Kängeruh-Modell: große Sprünge mit leerem Beutel“) und gegen das Telekompersonal („Jeans-Modell: An jeder Schwach-
stelle eine Niete“). Fazit: „Die Stimmung ist so schlecht, daß auch das Telephon nicht gut aufgelegt ist.“ Der Organisator des Widerstands, der umjubelte Münchner Rechtsanwalt Volker Thieler („… ist Spitze“), baut mehr auf bestehendes Recht als auf starke Worte … Und dann trat Trude Unruh auf; seit ihrer Gründung 1975 Bundesvorsitzende der überparteilichen Interessenvertretung alter Menschen „Graue Panter“; nicht zu verwechseln mit der Partei „Die Grauen“, deren Vorsitzende ebenfalls Trude Unruh ist. Die fernsprachliche „Vermittlung von Gefühlen von Mensch zu Mensch“ müsse wieder bezahlbar werden, so Unruh vor dem Rathaus. Dabei sorgte sie sich besonders um die „Alten von Morgen“: Man denke nur an die Verliebten und an die Schulkinder, die ihre Haus-
aufgaben austauschen müßten. Fröhlicher Applaus. Und diejenigen, die tatsächlich nur telepho-
nisch mit der Welt verbunden seien, die Alten in Heimen und Kranke, hätten am wenigsten zu la-
chen.«1


1 Süddeutsche Zeitung 64 vom 16./17. März 1996, 45.