Flusslandschaft 1995

Wohnen

In der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht München I kommt Ver- und Entmieter Joachim S. (Bavariaring 41) mit einer Bewährungsstrafe, 5.000 Mark Buße und 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit davon. »Dem neuen Urteil zufolge hat S. die Bewohner schikaniert, indem er mehr als 100 Löcher in die Wände des Treppenhauses bohren und diese mit ätzender Farbe streichen ließ. Ferner habe er mit Folien die Fenster verhängt und samstags eine Wand im Dachgeschoß herausreißen lassen. Der Angeklagte hatte das als ,berechtigte Sanierungsmaßnah-
men’ bezeichnet, aber eingeräumt, der ,Nebeneffekt’ der Mieterbelästigung sei ,nicht unerwünscht’ gewesen: Das Haus wurde inzwischen zwangsversteigert.«1

Die Methoden, Häuser mieterfrei zu bekommen, sind in allen Stadtvierteln ähnlich. Wichtig ist, diese Vorgänge wie hier im Westend zu veröffentlichen, damit ein gemeinsames Bewusstsein da-
von entsteht, dass man sich wehren kann.2


1 Süddeutsche Zeitung 86 vom 17. April 1995, 50.

2 Siehe „Legal, illegal – scheißegal?“.

Überraschung

Jahr: 1995
Bereich: Wohnen

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