Flusslandschaft 2004

StudentInnen

Nachdem Österreich 2001 Studiengebühren eingeführt hat, ist die Studentenzahl um 20 Prozent zurückgegangen. Es gibt halt auch Eltern, die das Studium ihrer Kinder nicht finanzieren können. Studierende protestieren gegen drohende Studiengebühren in Bayern und planen Demonstratio-
nen »für ein kostenfreies Studium mit hoher Qualität«.

Bei der Rückmeldung zum Wintersemester müssen die Studierenden jetzt 50 Euro Verwaltungs-
gebühr bezahlen. Wer sich weigert, so droht das Ministerium, wird exmatrikuliert. Die ASten rufen für den 17. Juni zu Demonstrationen in München und Nürnberg auf.1

Das bayrische Wissenschaftsministerium forderte die Hochschulen auf, Konzepte vorzulegen, aus denen hervorgeht, wie sie diese Einsparungen zu erbringen gedenken. Selbstverständlich „sind vor allem geistes- und sozialwissenschaftliche Studiengänge von den Kürzungen bedroht. Daraufhin wurden Verträge nicht verlängert, die Mittel für die Bibliotheken massiv gekürzt, dringend erfor-
derliche Baumaßnahmen verschoben sowie Stipendien ab geschafft. Die wöchentliche Regelar-
beitszeit der an den Hochschulen Beschäftigten sowie das Lehrpensum der DozentInnen wurde erhöht, der Stundenlohn für studentische Hilfskräfte gekürzt. Proteste dagegen wurden vom bay-
rischen Wissenschaftsminister Thomas Goppel, der bereits in seiner Zeit als CSU-Generalsekretär vor allem durch seine verbalen Ausfälle auffiel, mit seinem ihm eigenen Humor folgendermaßen kommentiert: »Wer damit nicht klarkommt, der gehört sowieso erschossen«. Für das Wissen-
schaftsministerium sind die Maßnahmen ein willkommener Vorwand um grundlegende Änderun-
gen in der Struktur wie auch der Finanzierung der Hochschulen in Angriff nehmen zu können. An der Spitze der Hochschulen sollen in Zukunft ein hauptamtlicher Präsident sowie ein Verwaltungs-
rat stehen. Diesem Verwaltungsrat sollen neben einem Teil des bisherigen Senats auch von der Hochschulleitung ernannte VertreterInnen aus Wirtschaft und Politik angehören. Eine Beteiligung von Studierenden in diesem Gremium ist nicht vorgesehen.“2

Am 22. November eröffnen Ministerpräsident Stoiber und Wissenschaftsminister Goppel in der Pinakothek der Moderne das „Elitenetzwerk Bayern“. Etwa hundert Studierende und Beschäftigte der Münchner Universität protestieren dagegen, dass das Konzept nicht Begabte fördere, sondern in der Konkurrenz der Ausbildung selektiere. Das Prestige-Projekt werde von Personalabbau in Hochschulen und Beamtenapparat begleitet und erweitere die Einflussmöglichkeiten der privaten Wirtschaft auf die Hochschulausbildung.3


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung vom 8. Juni 2004.

2 Universität & Hochschule – Post Scriptum vom Oktober 2004, 3.

3 Vgl. Münchner Lokalberichte 24 vom 25. November 2004, 1 f. Siehe dazu auch https://jungle.world/artikel/2004/48/motor-und-elite.

Überraschung

Jahr: 2004
Bereich: StudentInnen

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