Flusslandschaft 1996
Die Grünen
Gibt es braune Grüne? Zumindest sind sie auf den ersten Blick kaum zu erkennen. Sind das Ein-
treten für traditionelle, »deutsche« Landnutzung und die gleichzeitige Ablehnung industrieller, globalisierter Landwirtschaft reaktionär? Sind die Kritik der kapitalistischen Wachstumsideologie und das Befürworten einer Postwachstumsbewegung rückschrittlich?1
Carl Amery, einer der Begründer der Partei, sieht schwarz. Er erinnert sich: »Anno 1989 hat mir leuchtenden Auges der Chef einer rotgrünen Koalition (sein Name war Gerhard Schröder) erläu-
tert, wie wunderbar sein Laden funktioniere: Er bekomme vom kleinen Partner eine Teststrecke für Daimler-Benz genehmigt, dafür bekomme der auf absehbare Zeit ein lang ersehntes Feuchtbio-
top … Was die grüne Bewegung im weitesten Sinne bisher erreicht hat, ist das Ritual der Heuche-
lei, die sich hinter der möglichst üppigen Verwendung des Präfixes Öko- und der Einrichtung von Umweltbehörden verbirgt.«2
1 Siehe Oliver Geden, Rechte Ökologie. Umweltschutz zwischen Emanzipation und Faschismus, Berlin 1996.
2 Carl Amery: „Der Marsch in den Kompromiß. Mit wachsendem Erfolg wird das Dilemma ständig größer – oder: Warum sich die Grünen immer weiter von dem wahren Ideal ihrer Politik entfernen“ In: Süddeutsche Zeitung 142 vom 22./23. Juni 1996, Wochenendbeilage, I. — Siehe dazu auch: Manfred Zimmer (Hg.), Von der Kunst, umweltgerecht zu planen und zu handeln. Zur Bedeutung der Verhaltenswissenschaften für die Ökologie und für einen konstruktiven Umgang mit unserer Umwelt. Tagungsband einer Tagung der Internationalen Erich-Fromm-Gesellschaft vom 4. bis 6. Oktober 1996 in Georgs-marienhütte, Osnabrück 1996.