Flusslandschaft 2018

Kunst/Kultur

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Am 9. April stirbt der Tiger Willi. Unvergessen sind die Auftritte des philosophierenden Songpoe-
ten in den späten 90er Jahren im Hinterhoftheater. Die Welt war für ihn Chaos und Nichts, das Leben in ihr »a Schindermatz«: »Ich hab einen Sketch geschrieben. Und zwar kommen da drei Männer ins Wirtshaus. ,Ein kleines Stück am Vatertag’ heißt der Sketch. Der Manni, der Karl und der Willi. Gehns rein in die Bahnhofspizzeria, setzen sich hin. Fangt der Willi an, sagt er: ‚Ich möcht wissen, jeden Tag kommen Hunderttausende auf die Welt und jeder Mensch hat einen Kopf und in diesem Kopf ist ein Hirn. Entwickelt sich das Ich-Bewußtsein aus dem Eiweiß des Gehirns heraus, oder kommt dieses Ich-Bewußtsein wie eine Seele oder ein Geistmolekül von außen ins Hirn?‘ In dem Moment kommt der Ober, sagt der Karl: ,Und ich möcht gern wissen – jetzt gibt es fünf Milliarden Menschen auf der Welt. Ob die ganze Erde da wohl mehr wiegt, als wenn‘s nur eine Million gäb?‘ Darauf der Manni: ,Jetzt weißt du was – eigentlich war mein Leben am schönsten vor meiner Geburt! Und du wirst es a no derleben, du wirst a no sterben.‘ Denkt sich der Willi: ,Ja, so a blöder Hund.‘«2


1 Foto: Volker Derlath

2 Süddeutsche Zeitung 256 vom 7. November 1997, 45. Siehe auch https://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/zum-tod-von-tiger-willi-ordinaer-und-derb-weil-das-leben-auch-so-ist-1.3903387.

Überraschung

Jahr: 2018
Bereich: Kunst/Kultur