Flusslandschaft 2005

AusländerInnen

Die bairische Staatsregierung will den muttersprachlichen Ergänzungsunterricht ab nächstem Jahr streichen. Der Ausländerbeirat sammelt etwa 30.000 Unterschriften, die gegen das Vorhaben pro-
testieren. Es sei durch entsprechende Untersuchungen mehrfach bewiesen worden, dass Kinder von Migranten durch Erlernen und Identifikation mit der Sprache ihrer Eltern einen besseren Zu-
gang zur deutschen Sprache finden. Trotz mehrfacher Anfragen, wann man die Unterschriften übergeben könne, antwortet das Kultusministerium nicht. Jetzt plant der Ausländerbeirat eine Demonstration am 12. Juli um 15 Uhr vor der Staatskanzlei, Franz-Josef-Strauß-Ring 1, unter dem Motto „Muttersprache ist Menschenrecht“.

Das neue Zuwanderungsgesetz belegt, dass die Bundesrepublik aus wirtschaftspolitischen und demographischen Erwägungen heraus ein erhöhtes Interesse daran hat, dass hochqualifizierte Migrantinnen und Migranten ins Land kommen. Da stören natürlich xenophobe, rassistische und rechtsextreme Worte und Taten, die weniger an den Wurzeln bekämpft, sondern durch die Image-
produktion des Standortmarketings überlagert werden. Inwiefern Migrantinnen und Migranten vom schönen Schein geblendet, durch die nackte Realität enttäuscht werden und sich beschweren, ist noch festzustellen.

„Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude bedauert im Vorwort eines Buches zur Geschich-
te der Ausländerinnen und Ausländer der Stadt (‚Fremde Heimat’, 2002) den tief wurzelnden Anti-
slawismus und die unüberwindlich erscheinenden Ressentiments so vieler seiner bayerischen Landsleute Osteuropa gegenüber: die Münchner Polizei hingegen fährt, alten Traditionen anschei-
nend verpflichtet, fort, Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Abstammung zu diskriminieren: anlässlich des Oktoberfests 2005 warnt sie vor Taschendieben, die ‚vor allem aus Osteuropa eigens zur Wiesn’ anreisen, ‚um bei den Besuchern „Kasse zu machen“’; auch die bayerische Boulevard-
presse gefällt sich in ihrer Rolle als Hüterin überholter Gepflogenheiten: in der Kriminalbericht-
erstattung wird die osteuropäische Herkunft Tatverdächtiger oder als unliebsam angesehener Gäste (‚… kriminelle Bettlergruppen aus Osteuropa …‘, ‚tz’, München) immer wieder hervorgeho-
ben, gerade so, als ob man ‚den Osteuropäer’ an Äußerlichkeiten erkennen könnte.“1


1 Robert Schlickewitz, Sinti, Roma und Bayern. Kleine Chronik Bayerns und seiner „Zigeuner“, 2008, www.sintiromabayern.de/chronik.pdf, 177 f.