Flusslandschaft 2026
Frieden/Abrüstung
Abweichende Meinungen von der herrschenden Mehrheitsmeinung sind automatisch „prorus-
sisch“.1 Was reitet eigentlich Politikerinnen und Politiker, die wie eine auf einer Schallplatte hängengebliebene Nadel von Bedrohungsszenarien faseln?2

Die Vernissage der Ausstellung „Kriegssüchtig“ findet am 2. März um 18 Uhr im Foyer des Eine-
WeltHaus, Schwanthalerstr. 80 statt. Einführung: Thomas Rödl, Geschäftsführer des Helmut-Michael-Vogel-Bildungswerk der DFG-VK Bayern

In diesen Zeiten erleben wir die schlimmste Militarisierung seit dem letzten Weltkrieg, dazu werden friedenspolitische Optionen in der Öffentlichkeit systematisch bekämpft. Das ging nicht erst mit dem Ukrainekrieg los, eine kontinuierliche Agitation interessierter Kreise raubte uns den Erfolg der Entspannungspolitik, so auch deutlich mit der Kündigung wichtiger Rüstungskontroll-
verträge durch die USA mit fadenscheinigen Begründungen. Die massive Aufrüstung ist angesichts der haushohen Überlegenheit der NATO bei den „konventionellen“ Waffen selbst nur in Europa durch nichts zu rechtfertigen und zerstört alle Hoffnungen, der Klimakatastrophe endlich entge-
genzutreten; der soziale Kahlschlag beschleunigt sich weiter. 4. April: Auftaktkundgebung mit Matthias Gast, Münchner Friedensbündnis, Brigitte Wolf, Stadträtin, und Claudia Weber, Ge-
schäftsführerin von ver.di. Abschlusskundgebung mit Pablo Flock, Informationsstelle Militari-
sierung/IMI), Tübingen, Paul vom Bündnis Nein zur Wehrpflicht, Qentin vom Klimatreffen Mün-
chen und Matthias Gast über die geplante Mittelstreckenstationierung.3 Über 2.000 Menschen be-
teiligen sich an der Demonstration. Ein zweiter Ostermarsch von München steht auf startet um 13 Uhr auf dem Max-Joseph-Platz.

Die Regierung strebt an, bis zu 50 Prozent des Staatshaushalts für deutsche Aufrüstung auszuge-
ben. Dieses Geld fehlt zwangsläufig für Sozialausgaben, Gesundheit, Bildung – und Infrastruktur. Schon jetzt nimmt die Verarmung zu, denn die gestiegenen Preise von Energie und Lebensmitteln führen zum Absinken der Kaufkraft. Die Aktionäre von Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft hingegen freuen sich über steigende Aktienkurse und Gewinne und Dividenden, Deutschland ist mittlerweile der viertgrößte Exporteur von Kriegswaffen weltweit. Eigentlich könnte es jede/r wissen: Gegenwärtig ist Europa auch ohne die USA der Russischen Föderation waffentechnisch haushoch überlegen.4
In und um die „Weltstadt mit Herz“ herum konzentriert sich inzwischen ein Drittel der deutschen Rüstungswirtschaft mit etwa 50.000 „Beschäftigten“. Krauss-Maffei in Allach entwickelte den Leopard-Kampfpanzer, heutzutage vielleicht der beste Panzer der Welt. Der Nachfolger von Krauss-Maffei Wegmann, KNDS Deutschland, baut mit knapp 1.900 „Mitarbeitern“ den neuen Leopard 2 A8, der mit einem speziellen Hochleistungsrechner ausgestattet ist. Die Produktions-
kapazität hat sich in den letzten Jahren verdreifacht. Messerschmitt und Bölkow prägten über Jahrzehnte den Standort Ottobrunn und Taufkirchen. In den 80er Jahren folgten wehrtechnische Einrichtungen wie das Testzentrum IABG (Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH) mit Sitz in Ottobrunn, das bis heute als wichtiger Ort für militärische Forschung und Entwicklung gilt.5 Hier setzt heute der Ludwig-Bölkow-Campus – Aerospace / Security „Forschungsergebnisse in markt-
reife Produkte“6 um. Das Rüstungsstartup Helsing mit einer Bewertung von rund 12 Milliarden Euro ist auf militärische Künstliche Intelligenz spezialisiert. Seine Software steuert Drohnen und Kampfjets „zum Schutz unserer Demokratie“.7 Die Produktion der HX-2-Kampfdrohne erfolgt in einer süddeutschen Fabrik, wo monatlich bis zu 1.000 Einheiten gefertigt werden sollen. Im Sep-
tember diesen Jahres stellte die Tochterfirma Grob Aircraft in Tussenhausen, etwa 80 Kilometer westlich von München, einen neuen unbemannten Kampfjet „Ca-1 Europa“ vor.8 40 Kilometer nordöstlich von München entwickelt das Start-up ARX Robotics militärische Bodenfahrzeuge.9 Quantum Systems mit Sitz im schönen Gilching westlich von München hat sich mit rund vier-
hundert „Mitarbeitern“ auf militärische Aufklärungsdrohnen spezialisiert.10 Die MTU Aero En-
gines fertigt in München zentrale Komponenten für militärische Triebwerke wie den „EJ200“ des „Eurofighters“ und übernimmt für die deutsche Luftwaffe auch die Endmontage.11 In Ottobrunn und Taufkirchen entwickelt Airbus Defence das neue Satellitenkommunikationssystem für die Bundeswehr.12 Zudem koordiniert der Laden in Ottobrunn internationale Rüstungsprogramme wie das Future Combat Air System (FCAS), ein Luftkampfsystem der nächsten Generation. Hier sitzen nicht nur, wie bei allen Rüstungsgeschäften, private Investoren, Staat und Kommunen im selben Boot, hier ist auch die „Forschung“ dabei. Ein Beispiel: Die Technische Universität Mün-
chen eröffnete 2025 in Ottobrunn ein neues „Department für Luft- und Raumfahrt“ in direkter Nachbarschaft zu Airbus. In Donauwörth „beschäftigt“ Airbus aktuell rund 7.800 „Mitarbeiter“, in Ottobrunn und Taufkirchen sind es etwa 2.300. Der Hauptsitz der Hensoldt AG („Be safe in the air“13) in Taufkirchen bei München ist mit 8.400 „Beschäftigten“ auf Radar-, Sensor- und Vertei-
digungstechnologie spezialisiert. Der 2023 gegründete Drohnenabwehrspezialist TYTAN Techno-
logies in Moosach produziert Luftverteidigungssysteme und Lasertechnologie.14 MBDA Deutsch-
land („Excellence at your side“15) mit Hauptsitz in Schrobenhausen spielt eine wichtige Rolle beim Bau von Lenkflugkörpern für die Bundeswehr und Nato-Partner. Am Standort sind etwa 1.100 „Mitarbeiter beschäftigt“. Auch der Elektronikkonzern Rohde & Schwarz liefert Bauteile für die Flugzeug- und Waffenelektronik. Diehl Defence („Technologie im Einsatz für Frieden und Frei-
heit“16) mit Standorten u.a. in Ottobrunn, Schrobenhausen und Nürnberg kreiert u.a. Lenkflug-
körper. Nicht zuletzt arbeiten Unternehmen wie Isar Aerospace beispielsweise an einer Träger-
rakete für den Transport von mittelgroßen Satelliten ins All.17 Siemens hingegen entwickelt von Radarsystemen über Brennstoffzellen alles, was die Rüstungsproduktion heute so benötigt. Nun gut! Entweder ist die neue militärische Bedrohung Europas ein Hirngespinst, dann müssen wir uns doch wirklich keine Sorgen machen, oder sie ist real, dann ist der Rüstungsstandort München mit Sicherheit ein profundes Ziel für Erstschlagwaffen. Was tun? Zumindest könnten wir dafür sorgen, dass das Friedensgebot im Grundgesetz, die UN-Charta und das Völkerrecht wieder beachtet und gestärkt werden. Der Münchner OB sollte den Titel „Mayor for Peace“ ernst nehmen und sich für Frieden durch Waffenstillstände und Verhandlungen einsetzen. Vermutlich reicht das aber nicht aus.18
1 Wie Kritiker der gegenwärtigen Militarisierunghysterie sanktioniert werden: https://yewtu.be/watch?v=mAiBwhYLZVQ
2 Siehe https://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/ist-pistorius-von-allen-guten-geistern-verlassen-009550.html.
3 Siehe
- https://www.muenchner-friedensbuendnis.de/aktuelles/A26/OM26/Ostermarsch-Aufruf-2026.pdf,
- https://www.muenchner-friedensbuendnis.de/Ostermarsch-Muenchen-2026,
- https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/reden/pablo-flock-m%C3%Bcnchen,
- https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/rede/claudia-weber-m%C3%BCnchen und
- https://www.friedenskooperative.de/ostermarsch-2026/reden/brigitte-wolf-m%C3%BCnchen.
4 Siehe https://taz.de/Deutsche-Kriegstuechtigkeit/!6181964/.
5 Siehe https://www.iabg.de/.
6 https://standortportal.bayern/tgz/102
8 Siehe https://grob-aircraft.com/de/unternehmen.html.
9 Siehe https://www.arx-robotics.com/.
10 Siehe https://quantum-systems.com/.
11 Siehe https://www.mtu.de/de/.
12 Siehe https://www.airbus.com/en/products-services/defence.
14 Siehe https://www.tytan-technologies.com/.
15 https://www.mbda-deutschland.de/
16 https://new.diehl.com/defence/de
17 Siehe https://isaraerospace.com/.
18 Siehe dazu auch https://muenchen.t-online.de/region/muenchen/id_100700406/panzer-drohnen-ki-warum-muenchen-die-ruestungsbranche-dominiert.html.