Flusslandschaft 2008

Kunst/Kultur

Auszubildende im Tempel der Hochkultur am Gasteig empören sich im Frühjahr 2008 über die Äußerungen der Geschäftsführerin Brigitte von Welser. Mit dem Projekt „Junge Akademie Gasteig“ will der Gasteig junge Menschen an die Hochkultur heranführen. Welser geht es darum, jungen Menschen mit nichtakademischem Hintergrund den Zugang zur Kultur zu erleichtern. Sie verkün-
det: „Wir heißen die Auszubildenden herzlich willkommen im kulturellen Neuland.“ Durch das Projekt erhielten die Lehrlinge „bessere Voraussetzungen zur aktiven Teilnahme an Kunst und Kultur – jenen beiden Bildungsbereichen, die ihnen in ihrer bisherigen Biografie verschlossen be-
ziehungsweise ihnen nicht möglich waren“, heißt es in einer Pressemitteilung des Gasteigs. Welser lädt die jungen Menschen ein, „etwas über Kunst und Kultur zu lernen, das sie in ihrem Leben zu-
sätzlich zur fachlichen Ausbildung sehr gut brauchen können – um quer zu denken, um die Welt ab und zu anders wahrzunehmen, um mit Freunden auch mal ungewöhnliche Gespräche zu führen …“

„Die Außenseiter, die Ketzer und Rebellen, die Kranken und Durchgeknallten, die Nestbeschmut-
zer und Volksschädlinge begründen den Ruhm des Abendlandes und seine Hochkultur. Das sollten sich die humorlosen Befehlsempfänger, die Gesundheitsreformer und die biederen Anpassungsfe-
tischisten schon sagen lassen.“1

THEATER

Das ProzessionsTheater zeigt „reines trinken – gottsuche“. Mit dem Internet werden „Oppe’s Bis-
tro“, eine kleine Kneipe in Floß/Oberpfalz und das Trinken zu Elementen des Prozesses, der zur Komposition des Unmittelbaren Filmes und des Unmittelbaren Theaters im proT führt. Dabei treffen diese Elemente auf gleichzeitig stattfindende Vorgänge in München. Zu diesen Vorgängen gehört unter anderem eine nackte Frau, die 8 Stunden lang in sanft herabfliessendem Wasser steht. In einem längeren Prozess zwischen Alexeij Sagerer und den Männern in Floß, der zur künstlerischen Komposition Reines Trinken führt, begreifen die Männer in Floß das proT. Sie begreifen, dass sie weder Betrunkene spielen sollen noch dass sie Teil einer Dokumentation über das Betrunkenwerden sind, sondern dass sie Teil einer künstlerischen Produktion sind, die sie mit herstellen.2


1 Manfred Ach, Für die Katz. Ketzereien vom Mönch, München und Wien 2008, 3858.

2 Siehe https://www.youtube.com/watch?v=ELw_rfMuB3g.