Flusslandschaft 2010

Atomkraft

26. Januar: Protest gegen Milliarden-Bürgschaft für brasilianisches Atomkraftwerk.

Samstag, 10. April: Etwa siebenhundert Demonstrantinnen und Demonstranten protestieren mit einer Menschenkette auf dem Marienplatz gegen die Pläne für einen Ausstieg aus dem Atom-Aus-
stieg.1 In fünfzig weiteren Städten finden ebenfalls Demonstrationen als Probelauf für die große Menschenkette „Ketten-Re-Aktion“ am 24. April statt, die die norddeutschen Meiler Brunsbüttel und Krümmel miteinander verbinden soll. Tatsächlich bilden am Samstag, 24. April, mehr als 100.000 Menschen eine 120 Kilometer lange Menschenkette, unter ihnen viele Münchnerinnen und Münchner.

Das Umweltinstitut München veröffentlicht „In Wahrheit ist alles gelogen – Die Lügen der Atom-
lobby“.2

Samstag, 21. August: Atomkraftgegner fordern Hans-Peter Uhl (CSU) unter dem Motto „Mal rich-
tig abschalten“ mit Liegestühlen und Sonnenschirmen erst am Sendlinger-Tor-Platz und nach der Demo am Rindermarkt zum Ausstieg aus der Atomindustrie auf.

18. September: Ab 13 Uhr umzingeln aus Protest gegen die von der Bundesregierung beschlossene Atomkraftwerkelaufzeitverlängerung Demonstrantinnen und Demonstranten, unter ihnen Münch-
nerinnen und Münchner, das Berliner Regierungsviertel.3

Am 9. Oktober, Samstag, spannt die KettenReAktion Bayern ab 15 Uhr eine zehn Kilometer lange Antiatom-Menschenkette vom Umweltministerium über die E.ON-Zentrale, Staatskanzlei, TU bis zur CSU-Zentrale in der Nymphenburger Straße.4 Die Organisatoren zählen 50.000 Teilnehmer, die Polizei 25.000. Auch aus Österreich sind viele DemonstrantInnen angereist. Ihre Forderungen lassen sich auf ein Wort reduzieren: „Abschalten!“. Es dürfte die größte Anti-Atomkraft-Demon-
stration seit dem Kampf gegen die atomare Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf anno 1985 sein.2

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Bodenplatten am Eingang zum Westpark im Spätherbst 2010

Am 6. November demonstrieren 50.000 Menschen, unter ihnen auch angereiste Münchnerinnen und Münchner, zwischen den wendländischen Dörfern Nebenstedt und Splietau bei Dannenberg gegen den Castor-Transport, gegen den weiteren Ausbau des ungeeigneten Salzstocks in Gorleben zu einem Atommüll-Endlager und gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Es geht letztendlich nicht darum, dass der Castor umdreht, sondern Ziel der Proteste ist eine Umkehr der Bundesre-
gierung in der Atompolitik.6

Am Ende des Jahres sind es 22.500 Atommüllfässer im Miniformat, die ein LKW vom Winter-Toll-
wood-Gelände auf der Wiesn nach Berlin transportiert, um der Bundeskanzlerin klar zu machen: Es darf keinen Ausstieg vom Ausstieg geben.7

„Super-GAU? Er ist weder der ‚größte’ noch ist er ‚annehmbar’. Er ist vorhersehbar, und er ist kein Unfall, sondern ein unausbleiblicher und todsicherer Vorfall.“8

(zuletzt geändert am 20.4.2019)


1 Siehe die Fotos von Werner Rauch unter http://www.galerie-arbeiterfotografie.de/galerie/reportage/index.html.

2 Siehe www.umweltinstitut.org.

3 Siehe www.anti-atom-demo.de/start/home/

4 Siehe www.anti-atom-bayern.de und die Fotos von Werner Rauch unter http://www.galerie-arbeiterfotografie.de/galerie/reportage/index.html.

5 Foto © Volker Derlath

6 Vgl. Mütter Courage 2011, 41.

7 Siehe www.ausgestrahlt.de; vgl. Münchner Stadtgespräche 56 vom April 2010, 10 ff.

8 Manfred Ach, Unterm Strich. Fußnoten vom Mönch, München und Berlin 2010, 5655.

Überraschung

Jahr: 2010
Bereich: Atomkraft

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