Materialien 1948

Am Eierstandl

Ja heit is scho guat oganga, gäi. Am Viktualienmarkt war i, do war’s scho zünfti. Ja stelln ’S Eahna vor, gäi, kumm i do vom Gmiasmarkt, und wia i do nübageh, dawei kommt mir eine Stimme entgegen:

„Gnädige Frau, geht vielleicht noch was ab?“ -

Sie, i werd Eahna wos song, mir is da Schnaufara ausganga. Sog i:

„Stimmt des, Sie, das Ei 26 Pfenning? Ihr seids ja unter d’Raubritter ganga! Vorige Woch hams 21 Pfenning kost.“

Sogt die protzad Handlarin zu mir:

„Des stimmt scho, brauchans Eahna nix denga. Und wenn S’ ‘s nächstmoi net gscheit sehng, na nehman S’ ein Lorgnett mit. Es stimmt scho, und wenn ‘S a bißl a Hirn hättn, na miaßtns wissen, daß bei dera Köitn d’ Henna net legn.“

Sog i: „Ja freili, Es habts aba raffinierte Henna beinand. Mit 21 Pfenning, do is eahna z’ koit, und mit 26, do leint eahna da Hintan wieda auf.“

„Ja freili“, hots gsogt, „na derfas Eeahna schleicha, Sie Bixlmadam, Sie windige, weil wegn dem einen Ei, wos Sie mir vielleicht obkaffa, do werd i aa net reicha.“

„Wos“, hob i gsogt, „ein Ei? – Gor koans! Weil i möcht ja Oar und koane Schussa, und jetz bleib i extra steh, weil i sehng möcht, ob si net do oane findt, so a bläde Gans, die wo des Glump kafft.“

In dem Moment is hinta der Eiakistn a Mordslacklmannsbuid aufgstandn. Sie, der hot mi vielleicht oghaucht:

„Du werst jetz glei vaschwundn sei, Du gschlampats Christkindl, do paß auf! Bei Dir brauch i bloß oamoi niasn, na flaggst scho drüm auf da andan Straßnseitn!“

„Ja“, sog i, „das is ja weiters keine Kunst mit dem Löschhorn, wosd Du in Deina Lädschn host, do brauchst bloß oamoi niasn, na host scho den schönstn Zimmabrand glöscht!“

Aba, glam Sie, auf das war ich nicht gfaßt, daß der rausglangt und taat mi beim Krong packa.

Die Rettung is komma, weil hinter mir scho a ganza Volksauflauf war, gäi, do is eine Stimme rausgruafa kumma, und die hot gschrian:

„Du, paß auf, Du tuast jetz augenblicklich Deine Griffe weg von dem Weibal do, sonst heb i Di raus aus Deim persern Klüfterl, Du armseliga Eiertandla!“

„Ja“, schreit da Handla, „den kenn i doch, freili, des is ja da Alisi, da Schenkkellna von da Lilien-
straß, geh weida“, hot er gsogt, „kümma Di liaba um Dei sauers Bier und führ den schialichn Bochratzn spaziern, wosd an Deim Arm drohänga host.“

Sie, der Schenkkellna hot a Ruh ghabt. Sogt er:

„Kathi, hostas ghört, der hat Dich beleidigt, hoit ma mei Joppn, weil den werd i mir jetz rauskitzln do hintn. Und Du, gwampata Dultstampf“, hot er gsogt zu der Handlerin, „schaugst Deinem Geliebten noch einmal ins Antlitz, weilsdn danach wahrscheinlich nicht mehr kennst.“

Mi hots direkt gfrorn, aba glams, des war wieder a Zufoi, weil in dem Moment hot a Frau gschrian:

„D’ Schutzleit kemma! D’ Schutzleit!“

Ob sas glam oda net, do sans ausananda, d’ Leit, da Eierhandla is hinta die Kistn vaschwundn, da Alisi hot sei Dulcinea packt und is obghaut, und i bin allein dogstandn vor dera, gäi. Glaums, in meina Valegnheit hob ich net gwußt, wos i doa soi, in meina Verzwei … hob i dem frechn Frauen-
zimma buchstäblich zwoa Eia obkafft.

Und wie na d’ Schutzleit herkemma san, nacha schreit mir die scheinheilige Mistamsl no noch:

„Auf Wiedersehn, gnädige Frau, beehrn S’ mich fei recht bald wieda!“

Ida Schumacher1


Alfons Schweiggert (Hg.), Das große Buch vom Viktualienmarkt, Dachau 1987, 120 f.

:::

1 Geboren am 5. März 1894 im niederbayerischen Arnstorf, gestorben am 6. April 1956 in München, Komödiantin und Volksschauspielerin.

Überraschung

Jahr: 1948
Bereich: KPD

Referenzen