Flusslandschaft 1946

Armut/Mangelwirtschaft

Die Belegschaft der Firma Metzeler veranstaltet einen „Hungermarsch“. Wann genau wissen wir noch nicht.1

Die Not verhindert jede Lockerung der totalen staatlichen Wohnungsbewirtschaftung. Mit dem Kontrollrats-Gesetz Nr. 18 vom 8. März 19462 wird auf neuer Grundlage Wohnraum erfasst und zugewiesen sowie neuer Wohnraum gewonnen. Die bis dahin vorhandenen Bestimmungen zur öffentlichen Wohnraumbewirtschaftung werden dabei ersetzt und noch wesentlich verschärft. Die Empörung von Hausbesitzern und Wohnungseigentümern ist groß. Ihre Wut richtet sich aber nicht so sehr gegen die Besatzungsmacht und die Verwaltungen, sondern gegen einquartierte Ausgebombte und Flüchtlinge.

Als erste gemeinsame Einrichtung der Bi-Zone wird in Minden der deutsche Wirtschaftsrat mit fünf Zentralämtern zur wirtschaftlichen Verwaltung am 12. September gebildet (Verwaltungsämter für Wirtschaft in Minden, für Ernährung und Landwirtschaft in Stuttgart, für Verkehr in Bielefeld, für Finanzen in Bad Homburg und für Post und Fernmeldewesen in Frankfurt am Main). 1947 wird der „Zweizonenwirtschaftsrat“ zum „Wirtschaftsrat für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet“ auf parlamentarischer Basis ausgedehnt, seine Behörden in Frankfurt a.M. zusammengelegt. Seine letzte Sitzung findet am 8. August 1949 statt.

Lange Schlangen bilden sich bei der Ausgabe für Lebensmittelkarten.3 In Zeiten der Mangel-
wirtschaft und der akribischen Einteilung von Bezugsberechtigungen wird die Geduld vieler Münchnerinnen und Münchner sehr strapaziert. Oft wird die Wut über die bürokratischen Zuständigkeiten und Abläufe an den Frauen und Männern ausgelassen, die hinter den Schaltern sitzen.4


1 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.

2 Amtliche Mitteilungen des Kontrollrates Nr. 5 vom 31. März 1946, 117.

3 Foto: Ausgabe für Lebensmittelkarten im Juli 1946, Standort: Haus der Bayerischen Geschichte, Signatur: bp-0518.4.2.

4 Siehe Meyers „Offener Brief an die Gewerkschaftsmitglieder“.