Materialien 1981
Ein Bier wie Bayern

- Zu einem weitverbreiteten Plakat -
Endlich ist eine Münchener Bierfirma darauf gekommen, Bayern seine wirkliche Identität finden zu helfen. »Ein Bier wie Bayern« — auf vielen Plakaten dimpfelt das Münchnern, Bayern und Nichtbayern entgegen. Man muß sich das vorstellen: unzählige Wittels(bier)bäche rauschen
schäumend herab von hochgelegen Almen — am Ende kommt auch noch das Wort »Gebierge« vom Bier, das dank Export über alle Grenzen schwappt.
»Ein Bier wie Bayern« — wenn a gleich b ist, dann ist b auch gleich a (b wie b sowieso). Ergo: Ein Land wie Bier. »Bist wie Bier, du Land der Bayern …« Das nenne ich Reklame, vermutlich von landfremden Managern kreiert (vielleicht den gleichen, die den Slogan »Sag Jahn zur Volksrepu-blik China« erfunden haben). Frei nach Goethe: eine Spottgeburt aus Bier und Bayern. Da beginnt man den Bier-Satz von Friedrich Nietzsche zu verstehen: »Jene sanfte Entartung, die der Genuß von Bier im menschlichen Geiste hervorruft …«.
»Ein Bier wie Bayern« — Bayern, in Flaschen abgefüllt. Bacchus mit Dir, du Land der Flaschen! »Ein Bier wie Bayern«: Drei Viertel braun oder dunkel, ein Viertel Schaum. Ein Land der braun-dunklen Schaumschläger. Wer zuviel davon kriegt, vom Bier bzw. von Bayern — Bier ist ja wie Bayern — dem wird schlecht. Wenn er dann — zwecks Bier-Ausstoß ganz privat — mühsam den Ausgang sucht, um sich zu erleichtern, dann brodelt es aus seinem Mund: »Ein Bier wie Bayern — Prost!«
Aber genieren tut sich die plakatierende Weltfirma nicht. Muß sie auch nicht — oder?
Alois Fink
Schönere Heimat. Erbe und Gegenwart. Bayerischer Landesverein für Heimaipflege e.V. 3/1981, München, 184.