Materialien 1987

Liber Schbäzi!

Bedrefs: Unselige Bedrachtungen zum Jahreswexel

Die Schlager der schdaaden Zeid „Aberheidschibumbeidschibumbum“ und „Geh Hansei bag dei Bingkerl zam“, sind wider für ein ganzes Jahr lang in der Fersenkung ferschwunden. Und mir schaugen jez gebant auf 88. Gleich im Januar wird unser gelibdes „Prinze“ mit der „gleinen Lö-
sung“ aufgemachd und es gibt Eröfnungswochen, das es nur grad so schnaggeld.

Befor ich aber dazu kome, mus ich dir fon einer besonderen Bescherung schreiwen, die wo der Bayerische Rechnungshof jedes Jahr im Dezember gewisen öfendlichen Heisern bereided. Es sind Bescherungen, die imer Ärger machen, weil die schdadlichen Schnüfler unerbiderlich ahles auf-
deggen und an die Brässe geben, welche es mid fasd perferser Lusd druggd und noch iren eigenen Senf dazugibd.

Heier hawen sie den Sawallisch und seine Ober in die Bfanne gehauen und wen ahles war isd, was die Brüfer, die nichz fon der Kunsd ferschdehen, herausgefiseld und geschriben hawen, dann re-
gird hinder den Kulisen der Schlendrian, indem sie unser gudes Geld zum Fensder hinausschmei-
sen und es isd inen volkommen wurschd. Der Sawallisch isd ein guder Dirigend, for ahlem beim Strauß Richard und die Jabaner liben in abgödisch, blos der Rechnungshof libd in überhaubt nichd.

Ich sage dir, bal einer so gud mit dem Dagdschdog herumfuchteln kan wie der Sawallisch, mus er nichd auch noch Kentnise in der Buchhaldung hawen. Dafür had er in der Ferwaldung seine Büxenschbaner sizen und das sind die grosen Lufdikusse. Bal sie einen Sänger einfligen lasen, der nicht einmal das Maul aufmachen mus und dafür 3000 Markl einschibd, so isd das ein Sauschdall, der ein anderer werden mus.

Der Everdings mid seinem fürsdlichen Gehald isd zwar der „General“ über ahle schdadlichen Bünen, aber man darf im keinen Forwurf nichd machen. Er had das „Prinze“ wider aus dem Dornröschenschlaf erwegd, aber jez schdelld sich heraus, das man fasd nichz drin hörd, bal ein Schauschbiler schbrichd. Durch den Umbau had die Akusdig geliden und keiner had es forher gewusd, für fast 40 Müllionen. Am 9. Januar 88 wolen sie fom Lessing „Nathan der Weise“ schbilen, aber es wird wahrscheinlich „Nathan der Leise“ werden.

Am besden wird sich das „Prinze“ für Bandominen eignen, weil man da nichd reeden mus, sontern nur Gesden machen, wie es der Franzos Marcel Marceau beherschd. Ich schlafe imer gern im Teater und mir machd es auch im „Prinze“ nichz aus, wen man nichd durch laudes Reden auf der Büne bei einem gleinen Niggerchen geschdörd wird. Es isd selden ein Schaden, wo nichd auch ein Nuzen dabei isd. Die Teaterkunsd in München isd uns lib und deier, aber for ahlen isd sie uns deier.

Disses war mein lezder Brif im alden Jar und ich mechde in jez beschlisen mid der filosofischen Erkentnis für dich und unsere Leser in ahler Weld: Liber reich und gsund, wie krangk und arm!

Es grisd dich forsilfesderlich
Dein

Filser Max. Schadrat


Münchner Stadtanzeiger. Heimatzeitung für die Landeshauptstadt und den Landkreis München vom 30. Dezember 1987, 1.

Überraschung

Jahr: 1987
Bereich: Kunst/Kultur