Flusslandschaft 1946

Armut/Mangelwirtschaft

Im Winter 1945/46 verfeuern Bewohner der niederen Blöcke in der Ungsteiner Straße in Giesing
ihr gesamtes Treppenhaus. Dann fällen sie die Ulmen am Straßenrand und verschüren auch diese. Mit der Polizei, die einschreiten will, kommt es zu einer Massenschlägerei.

Die Belegschaft der Firma Metzeler veranstaltet einen „Hungermarsch“. Wann genau wissen wir noch nicht.1

Als erste gemeinsame Einrichtung der Bi-Zone wird in Minden der deutsche Wirtschaftsrat mit fünf Zentralämtern zur wirtschaftlichen Verwaltung am 12. September gebildet (Verwaltungsämter für Wirtschaft in Minden, für Ernährung und Landwirtschaft in Stuttgart, für Verkehr in Bielefeld, für Finanzen in Bad Homburg und für Post und Fernmeldewesen in Frankfurt am Main). 1947 wird der „Zweizonenwirtschaftsrat“ zum „Wirtschaftsrat für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet“ auf parlamentarischer Basis ausgedehnt, seine Behörden in Frankfurt a.M. zusammengelegt. Seine letzte Sitzung findet am 8. August 1949 statt.

Lange Schlangen bilden sich bei der Ausgabe für Lebensmittelkarten.2 In Zeiten der Mangelwirt-
schaft und der akribischen Einteilung von Bezugsberechtigungen wird die Geduld vieler Münchne-
rinnen und Münchner sehr strapaziert. Oft wird die Wut über die bürokratischen Zuständigkeiten und Abläufe an den Frauen und Männern ausgelassen, die hinter den Schaltern sitzen.3


1 Fotos: Stadtarchiv Standort ZB-Ereignisfotografie-Politik-Demonstrationen.

2 Foto: Ausgabe für Lebensmittelkarten im Juli 1946, Standort: Haus der Bayerischen Geschichte, Signatur: bp-0518.4.2.

3 Siehe Meyers „Offener Brief an die Gewerkschaftsmitglieder“.