Flusslandschaft 1958

Lebensart

Die Landeshauptstadt München richtet ihre 800-Jahr-Feier aus. Es soll ein rauschendes Fest werden. Überall sind neue Ansichtskarten, Gedenkmünzen, Jubiläumsbriefmarken und seriöse Stadtführer zu erwerben. In einem dieser Führer wird auf die außergewöhnliche Rolle der Münchner Ordnungshüter in den vergangenen Jahren hingewiesen.1

Aufrufe zur Rebellion stammen oft von den ungeeignetsten Leuten und sie finden, wenn überhaupt, oft am falschen Ort oder zur falschen Zeit statt. Dies dürfte auch daran liegen, dass die Deutschen bis heute keine wirkliche Revolution siegreich zu Ende geführt haben. Nicht zuletzt kauft der Deutsche nach der unverschämten Invektive eines prominenten Bolschewisten erst eine Bahnsteigkarte, bevor er den Bahnhof besetzt.2

22. April: „Mit einem geharnischten Brief beklagten sich die Münchner Wirte und Hoteliers bei Bürgermeister Adolf Hieber, dass er auf einem Empfang erklärt habe, die Münchner Wirte sollten im Jahr der 800-Jahr-Feier ‚besser kochen’. Das Hotel- und Gaststättengewerbe in München dürfe bei aller Bescheidenheit immerhin für sich in Anspruch nehmen …, zum guten Ruf der Stadt wesentlich beigetragen zu haben. Die gute bayerische Küche und ihre Preiswürdigkeit gehe auch auf die Arbeit von Münchner Betrieben zurück. Gegen Äußerungen, die den Eindruck erwecken, als hätte die Münchner Gastronomie in der Betreuung ihrer Gäste einiges gutzumachen, müsse man sich entschieden zur Wehr setzen.“3


1 Siehe „Polizei“ von Sigi Sommer.

2 Siehe „Auf die Barrikaden!“ von Benno Wolff.

3 Stadtchronik, Stadtarchiv München.

Überraschung

Jahr: 1958
Bereich: Lebensart

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