Flusslandschaft 1959

Wiedervereinigung/Neutralität

Am 30. Januar stellt Prof. Karl Saller einen von einhundertfünfzig Intellektuellen unterzeichneten Appell vor, der Verhandlungen zwischen „beiden deutsche Staaten“ zum Zwecke der Bildung einer „deutschen Konföderation“ fordert. Mitunterzeichner sind Prof. Klara-Marie Fassbinder, Walter Hagemann, Johannes Hessen, Otto Dix und Intendant Heinz Hilpert.

Wilhelm Elfes, Vorsitzender des Bundes der Deutschen (BdD), spricht am 6. März im Augustiner-Bräu zum Thema „Will Bonn Frieden?“ Der sowjetische Friedensvertragsentwurf sei ein konstruk-
tiver Vorschlag für die Wiedervereinigung Deutschlands.

Ein Protest, der über alle Parteigrenzen hinaus verbindet, ist der staatlich geförderte Protest an-
lässlich des Aufstands in der sowjetisch besetzten Ostzone, die DDR zu nennen schon zur Ausgren-
zung führt. Der 17. Juni, der Tag der deutschen Einheit, ist Anlass, in allen größeren Städten der Bundesrepublik Massenkundgebungen abzuhalten. Organisatorischer Träger ist das am 14. Juni 1954 gegründete Kuratorium Unteilbares Deutschland . In München sammeln sich vor dem Rat-
haus gegen Abend Fackeln tragende Studentenverbindungen, die für die Wiedervereinigung de-
monstrieren.1

Beim Düsseldorfer Prozess gegen Mitglieder des Westdeutschen Friedenskomitees (WFK) im No-
vember steht auch die einundsiebzigjährige ehemalige Sozialdemokratin Edith Hoereth-Menge vor Gericht. Als die Schwerkranke auf einem Stuhl ins Gericht getragen wird, überreicht ihr eine indi-
sche Journalistin einen Blumenstrauß. Im Zuhörerraum brandet Beifall auf.


1 Vgl. Unteilbares Deutschland. Ein Rechenschaftsbericht 1954 bis 1960, Berlin-Bonn 1960, 25.