Flusslandschaft 1960

Internationales

Allgemeines
USA und Kuba
Südafrika
USA
USA, Kongo/Zaire und Belgien


„Man sollte in den Zeitungen immer wieder aufzeigen, was mit den Hunderten von Milliarden, die durch Atombomben und Raketenversuche verschleudert werden, für Aufbauarbeiten in den unter-
entwickelten Ländern, die ja heute allen regierenden Machthabern so am Herzen liegen, geleistet werden könnte. Die Arbeiterschaft aller Länder, die ja diese Milliarden verdienen müssen, hätte bestimmt nichts dagegen, wenn diesen von den Kolonialmächten ausgebeuteten Menschen damit geholfen würde, ihren Lebensstandard zu verbessern und mit der Zeit ein menschenwürdiges Da-
sein zu erreichen. – W. Hendleder, München“1

„Im Herbst 1960 las der Londoner Anwalt Peter Benenson in der Zeitung, dass in Portugal zwei Studenten verhaftet worden waren, weil sie in einem Café einen Toast auf die Freiheit ausgebracht hatten. Die Empörung darüber brachte Benenson zu dem Entschluss, eine Kampagne zu starten – für Opfer der Willkür in aller Welt. Mit Freunden lancierte er einen ‚Aufruf zur Amnestie’, der im Londoner ‚Observer’ und in der Pariser ‚Le Monde’ veröffentlicht wurde. Das internationale Echo der Kampagne führte zur Gründung einer permanenten Vereinigung zum Schutze der Menschen-
rechte: Amnesty International.“2

USA und KUBA

Im März wird der französische Frachter »Coubre« im Hafen von Havanna in Cuba von ClA-Agen-
ten in die Luft gesprengt; 81 Menschen sterben, über 300 werden verwundet.

SÜDAFRIKA

In der Südafrikanischen Union herrscht die Rassentrennung, die Apartheid. Vom 1912 gegründe-
ten African National Congress (ANC), der den Widerstand gegen das rassistische Regime organi-
siert, spaltete sich 1959 der Pan Africanist Congress (PAC) ab, dem die bis jetzt durchgeführten Aktionen zu moderat erschienen. Anfang 1960 beginnen Massendemonstrationen; am 21. März werden bei einer Demonstration in Sharpevile 69 Menschen getötet. Im Anschluss verbietet das Regime ANC und PAC und verhaftet ihre Anführer. Viele Aktivisten tauchen in den Untergrund ab oder gehen ins Exil. Weltweit kommt es zu Protestdemonstrationen. Die Südafrikanische Union verlässt den Commonwealth und ruft die Republik von Südafrika aus.

USA

Obwohl der Norden den Sezessionskrieg vor hundert Jahren gewonnen hat, herrscht in den Süd-
staaten der USA Apartheid. 1960 finden die ersten Sit-ins an den Universitäten der Südstaaten als Proteste gegen die Rassentrennung und zur Unterstützung der Politik der Gewaltlosigkeit von Martin Luther King statt. „Ob sich der dissent (den wir mit »Protest« übersetzen) nun durch An-
steckung verbreitet hat oder gleichzeitig an verschiedenen Brandherden aufgeflackert ist, ist gleich-
gültig, jedenfalls ist dieser Begriff in den Vereinigten Staaten geprägt und präzisiert worden. Die-
sem revolutionären Judo ohne Beispiel, diesem unangreifbaren und allgegenwärtigen Radikalis-
mus, dieser sie einkreisenden und bald hier, bald dort ausbrechenden Meuterei stehen die Regie-
rungen heute ratlos gegenüber, denn die klassischen Repressionsmittel lassen sich dagegen kaum erfolgreich anwenden. Die europäischen Protestler, die einzige Kräftegruppe des alten Kontinents, der es gelungen ist, die Rechte wie die Linke, den Osten wie den Westen aus ihrem akademischen Muff aufzuschrecken, sind die Schüler der amerikanischen Protestler.“3

USA, KONGO/ZAIRE und BELGIEN

Während des Festaktes zur Unabhängigkeitsfeier am 30. Juni brandmarkt der neue kongolesische Präsident Patrice Lumumba an den belgischen König Baudouin gewandt die achtzig Jahre »ernie-
drigender Sklaverei, die uns mit Gewalt auferlegt wurde … Wir haben zermürbende Arbeit kennen-
gelernt und mussten sie für einen Lohn erbringen, der es uns nicht gestattete, den Hunger zu ver-
treiben, uns zu kleiden oder in anständigen Verhältnissen zu wohnen oder unsere Kinder als ge-
liebte Wesen großzuziehen … Wir kennen Spott, Beleidigungen, Schläge, die morgens, mittags und nachts unablässig ausgeteilt wurden, weil wir Neger waren … Wir haben erlebt, wie unser Land im Namen von angeblich rechtmäßigen Gesetzen aufgeteilt wurde, die tatsächlich nur besagen, dass das Recht mit dem Stärkeren ist … Wir werden die Massaker nicht vergessen, in denen so viele um-
gekommen sind, und ebenso wenig die Zellen, in die jene geworfen wurden, die sich einem Regime der Unterdrückung und Ausbeutung nicht unterwerfen wollten«.4 Am 14. September übernimmt die Armee unter Joseph Mobutu in einem mit den USA abgesprochenen Putsch die Macht. Am 17. Januar 1961 wird Lumumba ermordet; 1965 wird Mobutu Präsident von Gnaden der USA, der ein Jahrzehnte währendes Schreckensregiment errichtet.


1 Metall 4 vom 24. Februar 1960, 12.

2 Blatt. Stadtzeitung für München 181 vom 29. September 1980, 25.

3 Jean-François Revel, Uns hilft kein Jesus und kein Marx, München/Zürich 1973, 14 f.

4 Zit. in www.panafrikanismusforum.net/patrice-lumumba.html.