Materialien 1981

Münchner Friedensbewegung

Nach Vorbesprechung im Werkhaus und im Kaplerhof trafen sich am 26. März im Turnergustl christliche, autonome, pazifistische, ökologische, demokratische, sozialistische und kommunistische Friedensinitiativen und Organisationen.

Es wurde vereinbart, demnächst gemeinsame Aktionen gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen zu unternehmen.

Die Deutsche Friedensgesellschaft-(DFG/VK) wird im Juni eine Stafette zu allen geplanten atomaren Raketenstandorten in der BRD machen. Die Stafette wird am Sa., den 20. Juni, in Landsberg sein. Dorthin wird eine bayernweite Sternfahrt stattfinden, die wir von München aus mit organisieren wollen.

Eventuell machen wir auch Aktionen vor den Rüstungsbetrieben im Münchner Norden. Am 1. Mai wollen wir die Demonstration mit Friedensparolen bereichern.

Die Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung plant für den 23. Mai Friedensaktivitäten. Wenn möglich, soll schon bei diesem Termin angestrebt werden,. die Aktivitäten gemeinsam zu tragen, zu organisieren und zu koordinieren. Geeinigt wurde sich auf den gemeinsamen Namen: VEREINIGTE MÜNCHNER FRIEDENSINITIATIVEN für den Krefelder Appell.

Der Versuch, die Initiativen auf mehr gemeinsame Grundlagen festzulegen, z.B. auf Grundlage der RUSSELL-PEACE-FOUNDATION sind zumindest vorläufig gescheitert – obwohl es Beispiele anderer Städte gibt, wo alle auch hier vertretenen Gruppen sich diese Resolution zu eigen gemacht haben.

Die Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung beschwerte sich zu Recht, versehentlich keine Einladung erhalten zu haben.

Zum anderen stieß ein gewisser Führungsanspruch bzw. der mehr oder weniger formulierte Anspruch der Bürgerinitiative, Friedensplattform zu sein, der sich alle anschließen können, auf Kritik.

Es wurde beispielsweise kritisiert, dass die BI zwar begrüßt, wenn sich ihr viele Initiativen anschließen, dass sie aber bei Organisation und Durchführung die einzelnen Gruppen nicht beteiligt und dies allein dem Sprecherrat obliegt.

Dadurch ergäbe sich eine Überrepräsentanz von DKP-Richtlinien, die viele Friedensgruppen nicht mitragen wollen und können und deshalb Abstand nehmen. Aber auch Vertreter der DFG/VK, die in der Bürgerinitiative sind, übten Kritik. Anschließend wurden jedoch die jahrelangen Aktivitäten der Bürgerinitiative, „die etwas auf die Beine gestellt hat“, gelobt.

Die Notwendigkeit einer unbelasteten, gleichberechtigten, gemeinsam getragenen, breiten Plattform, der sich alle anschließen können, fand allgemeine Zustimmung.

Voraussichtlich findet am 24. oder 25. April – Ort noch nicht ganz geklärt – ein gemeinsames Friedensfest statt, wozu jede Gruppe einen Programmteil (Theater, Musik etc.) beisteuern soll. Außerdem will uns der Volkskulturverein „Die Gedanken sind frei“ und die Jazzrockgruppe Relax Ensemble unterstützen.

Nächstes Treffen der Münchner Friedensinitiativen ist am 13. April wieder im Turnergustl, Maistraße 29.

KOMMT UND TUT ETWAS FÜR DEN FRIEDEN, BEVOR ES ZU SPÄT IST!

Bernd Schreyer


Münchner Zeitung 9 vom April/Mai 1981, 7.