Materialien 1981

Einladung zur Vorbesprechung

Ohne Rüstung leben – Regionalgruppe München
Architekt Eduard Schrag
8000 München 60
Bassermannstraße 25

30. April 1981

Betrifft: Sühnemarsch zum 22. Juni – vor 40 Jahren Überfall auf Russland

Mit dem Dutzend Staaten des Westens, mit denen wir in 2 Weltkriegen verfeindet waren, sind wir heute versöhnt. Es gibt zwischen ihnen und uns keine Probleme, die unerträglich und nicht mit Duldsamkeit zu meistern wären. Das gilt auch für die Staaten im Osten, doch sind wir uns hier nicht so sicher. Insbesondere gegenüber der Sowjetunion pflegen wir Vorbehalte, die uns bei der geltenden Verteidigungsstrategie in die fatale Lage versetzen werden, nicht anders handeln zu können als das Deutschland Kaiser Wilhelms II und Adolf Hitlers.

Zur Gewährleistung unserer Sicherheit sieht unsere Verteidigungsstrategie den first strike – den Entwaffnungsschlag gegen den Osten vor. Das heißt wiederum: kaltblütige Vernichtung der Sowjetunion und der mit ihr im Warschauer Pakt verbündeten Völker.

Hinter aller Beschönigung und gegenteiliger Beteuerung bemerken wir tagtäglich Zeichen dafür, dass sich an der traditionellen, menschenverachtenden Haltung unseres Volkes gegenüber den Völkern des Ostens wenig geändert hat – Zeichen, die das Fürchten lehren.

So müssen wir uns fragen, ob die mahnenden Opfer für Frieden und Versöhnung, die 1933 – 1945 in den Konzentrationslagern litten, nicht vergebens gelitten haben. Wir hören die Worte des Bedauerns – Unbewegt?

Müssten wir uns nicht selbst heute als Geisel stellen, um etwas zu bewegen, um der Vergesslichkeit und einer Wiederholung der Geschichte Einhalt zu gebieten? Ist dabei unser Risiko in unserem freiheitlichen Staat nicht unvergleichlich geringer gegenüber dem der einstigen Bekenner und Opfer im Widerstand. Es ist an der Zeit, dass wir uns erkennbar und verbindlich zum gleichen Widerstand bekennen.

Am 22.Juni jährt sich zum 40. Mal der Überfall auf die Sowjetunion 1941. Im KZ Dachau befindet sich die in unserer Umgebung größte Gedenkstätte für die russischen Opfer unserer Hybris. Dorthin wollen wir am Sonntag, den 21.Juni einen Sühnenmarsch lenken, der Opfer unseres Handelns gedenken und uns auf die Versöhnung verschwören. Unser Leitmotiv ist das Bekenntnis zur Feindesliebe im Geiste der Bergpredigt.

Wir bitten Euch als unsere Freunde in der Friedensbewegung, diese Aktion zu unterstützen und laden Euch oder Eure Vertreter ein zur

VORBESPRECHUNG
am Donnerstag, 14.Mai 1981 um 19.30 h
im Turnergustl, Maistr. 26 gegenüber AOK.

Ihr sollt Eure Ideen dazu einbringen und wir erfahren, wer sich beteiligt.

Eduard


Flugblattsammlung, Archiv der Münchner Arbeiterbewegung.

Überraschung

Jahr: 1981
Bereich: Gedenken

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