Materialien 1990

Vorfahrt für Menschen !!!

Demonstration zur Verkehrsberuhigung am 26. März 1990

Es hat sich gelohnt !!! – Die wochenlange Arbeit des „Arbeitskreis Kinder“ und der Initiative „Milbertshofener Bürger gegen dicke Luft“ war nicht umsonst.

Trotz schlechten Wetters trafen sich an diesem Montag ca. 350 Menschen, um gegen das Verkehrschaos in Milbertshofen und für mehr Lebensqualität zu demonstrieren. Besonders gefreut hat die Veranstalter, dass viele Kinder und Eltern daran teilgenommen haben.

Den Auftakt der Demonstration bildete eine Kundgebung am Milbertshofener Platz. Claudia Ueffing, eine Stadtteilbewohnerin und engagierte Mutter, beklagte sich stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger über die zunehmend bedrohlicher werdende Verkehrssituation und die damit verbundenen Probleme. Sie mahnte an, dass

 der Bewegungsraum der Kinder immer mehr eingeschränkt wird,
 die Schulwege werden immer gefährlicher,
 die Gehwege zugeparkt sind,
 das Radwegnetz unzureichend ist,
 Tempo 30 oft nicht eingehalten wird,
 die Belastung durch Lärm und Abgase immer mehr wird,
 ältere Menschen sich kaum noch auf die Straße trauen,
 und – zu allem übel – der geplante Petueltunnel ohne Abgasfilter und ohne gleichzeitige Verkehrsberuhigung gebaut werden soll.

Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen.

Ein wesentlicher Grund für die Organisation und Durchführung der Demonstration waren die vielen Unfälle in Milbertshofen, bei denen in den letzten Monaten mehrere Menschen im Straßenverkehr schwer verunglückten.

Frau Ueffing forderte im Namen des „ Arbeitskreis Kinder“:

„Ein verkehrspolitisches und stadtplanerisches Gesamtkonzept für den Münchner Norden, welches schnellstens aus den Schubläden geholt und umgesetzt werden sollte.“ Sie ist u. a. für

 einen nördlichen S-Bahn-Ring;
 eine Anbindung des neuen Flughafens ohne Belastung der Wohnviertel;
 einen behutsamen Umgang mit den uns verbliebenen Biotopen, wie z.B. der Panzerwiese.

Nach der Ansprache trug Elke Seidel, begleitet auf dem Akkordeon von Willi Hahn, eine Moritat vor. Anschließend bewegte sich ein bunter Demonstrationszug mit Luftballons und Transparenten durch Milbertshofens Strassen. Den Kindern machte es besonders viel Spaß in der Hauptverkehrszeit auf der Fahrbahn zu laufen, gemeinsam mit der Polizei die Autos zu stoppen und den Autofahrern ihre Transparente („Fuß vom Gas“, „Tempo 30“, „Passt auf unsere Kinder auf“ ect.) unter die Nase zu halten. Ihre Forderung „Motor aus“ nahmen sie so ernst, dass sie sogar bereit waren das vorausfahrende Polizeifahrzeug zu schieben.

Insgesamt lobten die Veranstalter die gute Zusammenarbeit mit der Polizei.

Die Reaktion der Teilnehmer und Passanten war überwiegend positiv. Auch einige Autofahrer zeigten Verständnis. Es ergaben sich lebhafte Diskussionen und häufig wurde gefordert, die Demonstration zu wiederholen.

Der „Arbeitskreis Kinder“ wird auf jeden Fall in Zukunft verstärkt an diesem Thema weiterarbeiten. Die Veranstalter: „Es wäre schön, wenn sich viele Milbertshofener Bürgerinnen und Bürger beteiligen würden“.

Kontaktadresse: Arbeitskreis Kinder, Stadtteilzentrum Milbertshofe, Alter St.-Georgs-Platz 4, 8000 München 40, Tel: 3 51 81 13.

Carola Ruben
Kathrin Grabert


Milbertshofener Stadtteilzeitung 22 vom April/Mai 1990, 1.

Überraschung

Jahr: 1990
Bereich: Stadtviertel

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