Materialien 2002

Persönliche Erklärung

eines gemeingefährlichen Fanatikers

1. Für einige Tage war ich der „Meister des Chaos“, das Monster aus dem Internet, der „bin Laden der Chaos-Tage“. Nun, ich liebe Comics, und besonders die Machwerke der Firmen EC und Marvel. Die Gelegenheit, EINMAL erfolgreich als Dr. Doom im Fernsehen aufzutreten und auch noch dabei ERNSTGENOMMEN zu werden, konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen. Diejenigen, die meinten, ich wüsste nicht, wie lächerlich ich dabei wirkte, täuschen sich: Ich wusste das sehr wohl … ich WOLLTE es ja so!

Gemerkt haben es aber nicht die Medien, die immer wieder gerne den „Meister des Chaos“ und den von ihm postulierten „Heiligen Chaotischen Krieg“ zitierten. Gedreht wurde alle drei Videos übrigens bereits am Dienstag VOR den Chaos-Tagen. Eine sichere Bank, denn böse Überraschungen waren am Wochenende nicht zu befürchten. Das Drehbuch für’s Wochenende stand fest, das Ergebnis war klar, marodierende Punk-Massen auszuschließen! Und dass die bayerische Landesregierung sich nun ihrer Heldentaten gegen einen nicht vorhandenen Gegner brüstet, ist auch nur lachhaft. Nun, bekämpft nur weiter publikumswirksam Windmühlenflügel … Don Quixote lässt grüßen! Eure erfolgreiche Abwehrschlacht des „Sturms auf München“ wird in die Geschichte eingehen!

Soviel auch zum Wahrheitsgehalt der von Medien immer wieder gerne zitierten „gesicherten Erkenntnisse“ der Sicherheitsbehörden, die immer wieder als Argumentationshilfe für das Verhängen von Ausnahmezuständen und Hetzjagden gegen Minderheiten und Randgruppen aller Art herhalten müssen. Mögen die Opfer dieser manchmal pogromähnlichen Stimmungsmachen aus politischen, ethnischen oder anderen Gründen gerade auf der Abschussliste stehen: Glaubt den Lügnern, Scharfmachern, Behörden, „Journalisten“ und „Experten“ kein Wort!

2. Wer gefürchtet und behauptet hat, es würden tatsächlich die Punk-Massen nach München zu Chaos-Tagen strömen. um die Stadt in Klump zu hauen, hat sich nie mit der Geschichte der Chaos-Tage beschäftigt und ist allerhöchstens seinen eigenen Neurosen aufgesessen. Seit 1995 – den „Chaos-Tagen von Oldenburg“ – dient das Thema Chaos-Tage ausschließlich als Gruselkabinett für alle, die es brauchen. Ein Punk-Treffen ist es nicht mehr. Das wissen auch die meisten Punks. Wenn dann aber doch ein paar Punk-Kids ein Flugblatt fabrizieren, ein paar knallige Parolen draufschreiben und zu Chaos-Tagen nach Irgendwo aufrufen, dann erinnern sich Medien, Politik und Polizei immer nur an ihre Ängste, aber nie daran, wie sie immer wieder in die Wüste geschickt wurden. Hinterher behaupten sie natürlich immer souverän und jovial, die Punks hätten „schlappgemacht“ (FOCUS) oder seien an der „Festung München abgeprallt“ (BILD), aber eigentlich schwingt hier nur die Enttäuschung über das entgangene blutige Szenario mit. Übrigens: Natürlich war auch ich nicht in München, wie eigentlich niemand, den ich kenne. Wozu auch?

3. Seit zwei Jahren ist das Thema Chaos-Tage für mich eigentlich abgeschlossen. Wer aber meint, mir auf die eine oder andere Weise die Organisation der Münchener Chaos-Tage anhängen zu können, lieber SPIEGEL, lieber FOCUS, liebes Medienpack, muss sich nicht wundern, wenn ich aus dem Altersheim zurückkehre und mir noch mal was einfallen lasse.

4. Ulrike Meinhof hat einmal gesagt: „Du kannst die Herrschenden nicht zwingen, die Wahrheit zu sagen, aber Du kannst sie dazu bringen, immer dreister zu lügen.“ OK, die Plattitüde mit den „Herrschenden“ vergessen wir mal, aber wahr ist, dass es viel Spaß macht, arrogante Arschlöcher, die sich im Besitz von Wahrheit und Macht fühlen, aufs Glatteis zu führen.

5. Die „Aktion Rumpelstilzchen“ diente dazu, Idioten (und das sind nicht nur Medien!) aller Art einen aggressiven, machtgeilen Fanatiker wie aus dem Bilderbuch anzubieten, der sich herrlich als „Beweis“ für die „Gefährlichkeit der Punker“ vorführen ließ, und zwar erst, NACHDEM sie die mediale Jagdsaison auf Punks & Chaos-Tage bereits eröffnet hatten. Ich gebe mich allerdings nicht der Illusion hin, auf diese Weise irgendwas an dieser informationskranken Gesellschaft ändern zu können. Aber viel schlimmer ist es, einfach aushalten zu müssen, wie dieser Schwachsinn jeden Tag auf einen niederprasselt. Und glaubt mir, es bereitet eine unglaubliche Freude, sich endlich einmal wehren zu können gegen Dinge oder Strukturen, die einem schon seit Jahren auf der Seele liegen. In meinem Fall eben gegen die Journalistenbande, der ich es spätestens seit der „Schutt-und-Asche“-Legende von 1994 immer wieder liebend gerne besorge.

6. Die Chaos-Tage und die sensationsgeilen Medien waren eine tolle Gelegenheit, viele Besucher auf diese Website zu locken und kräftig die Werbetrommel zu rühren für das CROCODOM, das tatsächlich eine „Wunderwaffe“ und schon einigen Tagen im Einsatz ist. Das CROCODOM ist nämlich nichts anderes als ein von mir geschriebenes Internet-Publikationssystem. So ein Ding, mit dem man so schöne Websites a la 1 oder2 erzeugen kann. Die Dinger kosten normalerweise eine Stange Geld, CROCODOM jedoch ist FREEWARE, kann von jedem umsonst benutzt werden, um das Internet mit wahren und falschen Nachrichten aller Art zu überziehen. Versteht Ihr jetzt all die Anspielungen? www.medienkiller.de war übrigens ein kleiner Betatest, wobei eine Reihe Leute einfach mal einen Haufen Nachrichten in das System reingehackt haben, um zu schauen, wo noch Fehler liegen.

7. Natürlich gibt es nun eine Reihe von Leuten, die höhnen, München sei trotz gegenteiliger großmäuliger Ankündigungen nicht vernichtet worden. Wozu auch? Seit wann müssen all die in einer aggressiven Werbung ertönenden Versprechungen auch eingehalten werden? Das wäre ja mal was ganz neues. Mensch, hier ging es um MARKETING, und dabei kann man auch den größten Scheiß erzählen, um ein Produkt zu verkaufen! Ansonsten wäre es ja noch schöner, wenn andere zu bestimmen hätten, mit welchem Gegner man sich in welcher Weise anlegt. Nur weil irgendwelche Leute gerne im Fernsehen blutige Köpfe – egal ob die der Polizei oder die der Punks – sehen möchten, muss man ihnen noch lange nicht diesen Gefallen tun. Viel mehr Spaß macht es, sich diese Gewaltgeilheit zunutze zu machen. All die ganzen Unterstellungen, „was die Punks mit ihren Chaostagen wollen“ , entspringen ausschließlich der Phantasie diverser Schreiberlinge, seien es nun Journalisten oder die klugscheißende Gästebuchschreiber auf 3 , die endlich einmal ihre ganzen faschistoiden Gewaltphantasien an den Punks abreagieren konnten. („erschießen“, „Fresse polieren“, „vernichten“. ..). Oder aber eben ersatzweise an mir, wobei ich mich gerne als Hassobjekt zur Verfügung gestellt habe. Trotz dieser in unglaublicher Masse auftretenden Horde von gewaltgeilen Idioten lasse es mir aber nicht aufzwingen, selbst irgendjemanden „hassen“ zu müssen. Ich stecke ja selbst viel zu tief in diesem Leben drin, als dass ich frei von der Scheiße wäre. Viel wichtiger und belebender aber ist der Spaß, wie ein Derwisch in der Bude herumzuhüpfen, wenn mal wieder was geklappt hat, als sich Magenschmerzen durch eigenen Hass oder den anderer zu besorgen.

8.Die Tatsache, dass mich nun die einen als „Faschisten“ beschimpfen, andere mich gleich an die Wand stellen und mir eine Maschinengewehrsalve verpassen wollen, gefällt mir ungemein. Gut so! Diese Positionierung hat mir schon in Punk-Tagen immer trefflich gefallen! Immer schön Abstand von den oberflächlichen Arschlöchern und Totschlägern aller Art halten! Ich lache über diese Typen nur. Dass mich auch in der Punk-Szene manch einer nicht lieb gewinnen will, ist ebenso in Ordnung. Ich bin doppelt so alt wie die meisten, war Punk in einer Zeit, in der Individualität und Humor noch groß unter Punks geschrieben wurde. Und da ich den heutigen Szene-Dreiklang aus NazisBullenJedenderwasaufdieReihekriegt-RAUS nur für dumm und arm halte, versuche ich es lieber mit subersivem Humor, der niemanden ausspart. So macht man sich natürlich wenig Freunde. Aber klar sollte nun sein, dass ich nicht im mindesten für die Punk-Szene spreche (was eh niemand kann).

9. Vielen Dank an den SPIEGEL, an FOCUS, and die SÜDDEUTSCHE, an all die Fernsehanstalten und anderen Medien, die diesen Spaß möglich gemacht haben. Ich werde diese schönen Tage so schnell nicht vergessen … ihr schon! Denn Euer Gedächtnis für Euren eigenen Scheiß ist enorm schlecht … Die Chancen für eine Wiederholung einer derartigen Verarschung sind wie üblich sehr gut! Zumal die genannten Medien den Teufel tun werden, ihre eigene Rolle in diesem bizarren Spiel einmal zu thematisieren. Vielen Dank aber auch an 4 , mit dem ich mir die Rollen „guter Bulle – böser Bulle“ geteilt habe. Wir haben viel gelacht zusammen! Dank an meine Freundin Christina, die tolle Simultanübersetzerin der zweiten Videobotschaft, Dank an die eifrigen Betatester des CROCODOMS auf medienkiller.de. Danke an alle Mitwirkenden in diesem Theaterstück wie auch die, die einfach nur dicht gehalten haben.

10. Journalisten sind Mörder!

Da Da Da!

- Karl Nagel -

Dieser Text zu den „Münchener Chaos-Tagen“ erschien im August 2002 auf www.chaos-tage.de. Vorher hatten SPIEGEL und SUEDDEUTSCHE mich nach ziemlicher mieser Recherche als „Organisator“ ausgemacht, worauf ich mir dann mit ein paar lustigen Webfilmen noch einmal ein wenige Spaß gönnte …


http://www.karlnagel.de/website/action/sub/ct/main_text.php?skin=website_std&id=20051225_082500_fanat.

Überraschung

Jahr: 2002
Bereich: Militanz

Referenzen