Materialien 2008

Neue AktivistInnen - neue Themen

Im Jahr 2008 präsentiert sich die Karawane München so lebendig wie in den Jahren zuvor. Fünf neue AktivistInnen sind im letzten Jahr zu uns gestoßen und bringen sich voll in unsere diversen Projekte ein. Zur Zeit unterstützen wir lokale Flüchtlingskämpfe in einigen Lagern, wir sind an der Vorbereitung eines antirassistischen Sommercamps in Hamburg beteiligt und wir richten unser Augenmerk auf Frontex, die europäische Grenzschutzbehörde, die für den Tod von Tausen-
den Bootsflüchtlingen die Mitschuld trägt. Einer unserer neuen Aktiven beschreibt, wie es ihm bei uns geht:

Ich kam schon vor einiger Zeit das erste Mal mit der Karawane in Berührung, da ich schon ein paar Jahre politisch aktiv bin. Damals verblieb ich aber noch in der Rolle des Gastes auf Demos und Veranstaltungen. Erst durch den Kontakt zu Ilse beschloss ich, mal bei einem Treffen ins Eine-Welt-Haus vorbeizuschauen. Ich bekam nach einigen Donnerstagen aber den Eindruck, mich poli-
tisch zu übernehmen, an zu vielen Baustellen gleichzeitig zu arbeiten. Als Ilse im Herbst 2007 starb, habe ich mir Gedanken über meine Zukunft bei der Karawane gemacht: Jetzt erst recht da-
beibleiben und versuchen, das aufgerissene Loch wenigstens teilweise zu füllen.

Das Hineinwachsen in die Gruppe hat gedauert, besonders, da sich das meiste nicht auf den Tref-
fen, sondern „hinter den Kulissen“ abspielt — in Kneipen, über e-mail oder in Arbeitsgruppen. Und wie in jedem Aktionsfeld braucht mensch auch in der Antira-Arbeit Zeit, um sich einzuarbeiten. An die mittlerweile sprichwörtlich gewordene Unpünktlichkeit musste ich mich auch erst mal gewöh-nen.

Aber das ist nur die eine Seite — die Karawane hat auch sehr viel Positives zu bieten. Nach einiger Zeit hatte ich mir grundsätzliche Sachverhalte eingeprägt, die sonst im Information-Overkill der Linken leider untergehen, z.B. die vielen Drangsalierungen von Flüchtlingen durch die rassistische Gesetzgebung und habe so nun die Möglichkeit, mich aktiv am Gruppenleben zu beteiligen. Arbeit ist für alle im Überfluss vorhanden, auch wenn dabei das Feiern und gesellige Zusammensitzen auch nie zu kurz kommt. Ich sehe die Karawane tief in der Münchner und bayerischen Antira-Sze-ne verwurzelt, die Beziehungen untereinander werden nicht umsonst von vielen als „familiär“ be-zeichnet — die Karawane beruht nicht nur auf einer politischen Ebene, sondern auch sehr stark auf persönlichem, freundschaftlichem Kontakt. Und wie in jeder Familie kann mensch nicht von einem Augenblick zum nächsten dazugehören — es braucht Zeit, es lohnt sich aber immer.


Karawane München — die ersten zehn Jahre, München 2008, 39.

Überraschung

Jahr: 2008
Bereich: Flüchtlinge

Referenzen