Flusslandschaft 2008

SchülerInnen

Am Dienstag, 24. Juni, demonstrieren Schülerinnen und Schüler. Auf einer Tafel ist zu lesen: „Bildung für alle, sonst gibt’s Krawalle!“

Am Mittwoch, 12. November, findet der bundesweite Schulstreik „Bildungsblockaden einreißen!“ statt. Bundesweit demonstrieren etwa 100.000 Schülerinnen und Schüler gegen die Bildungsmise-
re, gegen das so genannte Turboabitur, gegen den massiven Unterrichtsausfall, gegen den Lehrer-
mangel. Allein in München nehmen trotz heftigen Regens etwa 4.000 SchülerInnen, StudentIn-
nen, Eltern und LehrerInnen teil. Die Erwartungen der Schülerinitiative München werden über-
troffen, sie ging zunächst von rund 1.000 Teilnehmern aus.1

„Über den Sinn des Wortes ‚ unter richten ’ sollte man besser gar nicht erst nachdenken.“2


1 Dieter Feuerstein, Systemingenieur, München: „… Wenn der Staat sich aus Aufgaben, die ihm originär zustehen, einfach so herausstiehlt, ist das politisch nicht machbar. Und jetzt kommt der Punkt: Sie haben damals den Begriff der Strategie der künstlichen Ressourcenverknappung geprägt. Was genau heißt das? Das ist ein allgemein gültiger Ansatz, der nicht nur auf die Frage der Bildungspolitik Anwendung findet, sondern auf nahezu alle Sparten der Gesellschaft. Für unser Thema heißt das: Man fördert sukzessive eine Politik, die darauf hinausläuft, die staatliche, öffentliche Ausbildung durch mangelhafte Ressourcen schlechter und schlechter zu machen. Was passiert im Gegenzug? … Ein Privatlehrer an einer privaten Schule in München verdient deutlich mehr, wird besser ausgestattet als ein regulärer Lehrer, denn Privatschulen haben bessere Ressourcen, bessere Unterrichtsmaterialien. Ich weiß, wovon ich rede, ich bin Nachhilfelehrer auch für Schüler aus diesen Bereichen: Die Ausbildung ist qualifiziert höher, die Kids haben mehr davon. Auf einer Privatschule kriegen sie vernünftige Dinge vermittelt, und das in einer didaktisch geschulten Weise. — Das ist die gegenläufige Entwicklung. Im Ergebnis soll erreicht werden, dass die Politik sich hinstellt und sagt: ‚Die Kassen sind doch leer, schaut her, wir können das nachweisen. Was sollen wir denn machen? Wir können gar nicht anders.’ Das ist die Strategie, die dahinter steht und damit unter dem uns allen wahrscheinlich noch bekannten Begriff der so genannten Reaganomics Einzug gehalten hat in die grundsätzliche strategische Ausrichtung kapitalistischer Politik. Und deswegen wollte ich den Focus gerade hier zum Thema Bildungspolitik auf diesen Aspekt bringen, denn darum geht es im Kern …“ Deutscher Freidenker-Verband (Hg.), Konferenz „Bildung ist Menschenrecht“ 4. Oktober 2008 im comcenter Brühl in Erfurt, Offenbach 2009, 52 f.

2 Manfred Ach, Mach keine Geschichten! Momentaufnahmen vom Mönch, München und Wien 2008, 4255.

Überraschung

Jahr: 2008
Bereich: SchülerInnen