Flusslandschaft 1981

Schwule/Lesben

Im Song Parnass im „Unionsbräu“ in der Einsteinstraße 42 in Haidhausen tritt der Franzose Alban regelmäßig auf. Er ist nicht nur begnadeter Travestiekünstler, singt und spielt Theater, er verbindet seine Auftritte auch mit politischen Forderungen und thematisiert ironisch traditionelle geschlechtsspezifische Rollenverteilungen. Ob schwul oder nicht schwul, Mann oder Frau, diese ganzen festgezimmerten Zuschreibungen löst Alban auf, erinnert daran, wie seit jeher Schwule als weibisch verspottet wurden und entwickelt ganz bewusst als Mann weibliche Choreografien. Er legt Wert darauf, dass beide Seiten an und in ihm gleichzeitig sichtbar werden und nicht Gegensätze bilden, sondern sich ergänzen. Immer wieder finden sich im Publikum Empörte, die schreiend das Etablissement verlassen, andere sind glücklich, dass einer exemplarisch zeigt, was möglich ist. Mancher Zuschauer fühlt sich ermutigt, seine eigene Rollenzuschreibung zu hinterfragen. Nicht nur Schwule kaufen sich jetzt einen Kajal-Stift …

Ordnungshüter beschlagnahmen in der Buchhandlung Sodom in der Reichenbachstraße 51 im Gärtnerplatzviertel Arbeitshefte für die Sekundarstufe „Prostitution, Pornographie“, das Buch „Sexualität“ von Ernest Bornemann, Will McBridges „Zeig mal!“ und „Wider die linken Spiesser — für eine sexuelle Revolution/Ich liebe Jungs“ von Peter Schult und Olaf Stüben. Beschlagnahmt werden auch Schults Erzählung „Eiszeit“, in der er seine Probleme als alternder Päderast beschreibt, sowie die Stadtzeitung Blatt, die die Geschichte nachgedruckt hat.

Überraschung

Jahr: 1981
Bereich: Schwule/Lesben