Flusslandschaft 2009

Atomkraft

„Atomwaffenfähiges Uran im Atomforschungsreaktor FRM 2 – Bayern verstößt gegen Genehmi-
gungsbescheid – 22.2.09. Der Atomforschungsreaktor FRM 2 in Garching bei München steht international in der Kritik, weil seit dessen Inbetriebnahme im Jahr 2004 atomwaffenfähiges, 93%-ig angereichertes Uran 235 zur Kernspaltung verwendet wird. Dieses Material ist geeignet zum Atombombenbau. Die Atombombe ,Little Boy‘ auf Hiroshima war eine Uranbombe. Es ist technisch einfacher, aus hoch angereichertem Uran eine Atombombe zu bauen als mit Plutonium. Das macht es für manche Länder besonders interessant, dieses Material zu besitzen. Leider gibt es genügend internationale Beispiele dafür, wie unter der Tarnkappe ,zivile Forschung‘ Atombom-
benprojekte angestrebt wurden. So entsprang beispielsweise die pakistanische Atombombe einem Forschungsprojekt mit hoch angereichertem Uran. Die Verwendung von atombombenfähigem Uran im Münchner Atomforschungsreaktor torpediert das Ziel der internationalen Staatengemein-
schaft, hoch angereichertes Uran in Forschungsreaktoren nicht mehr zu verwenden – aus Prolife-
rationsgründen, der Weiterverbreitung von Atomwaffenmaterial. Aus diesem Grund ist die TU München im Genehmigungsbescheid aus dem Jahre 2003 dazu verpflichtet worden, bis spätestens zum Jahre 2010 den Atomreaktor auf niedriger angereichertes Uran umzustellen. Andere deutsche Forschungsreaktoren sind bereits mit über 20 Millionen Steuergelder umgestellt worden. Doch die FRM 2-Betreiber wollen nicht. Vielmehr möchten sie weiterhin Atombombenstoff für die Kern-
spaltung verwenden. Die Bayerische Staatsregierung zusammen mit der TU München unterlaufen die Auflage der Betriebsgenehmigung. Halbherzig befassten sich die Verantwortlichen in all den Jahren überwiegend mit der Entwicklung eines zweifelhaften Alternativbrennstoffs, von dem be-
kannt war, dass er weder geeignet sein wird noch rechtzeitig zur Verfügung stehen wird. Neuere Entwicklungen wurden ignoriert. Alles getan zu haben, einen Alternativbrennstoff rechtzeitig ent-
wickelt zu haben, wie dies Prof. Petry von der Reaktorstation behauptet, ist bodenlose Heuchelei. Der gemeinnützige Verein BÜRGER GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e.V. hat reichlich Er-
fahrung mit der Verantwortungslosigkeit der Reaktorbetreiber, sei es hinsichtlich der Vertuschung, dass das atombombenfähige Material aus Russland kommt, von Störfällen oder von ständigen Ein-
leitungen radioaktiver Abwässer in die Isar an Stellen, wo ahnungslose Erholungssuchende baden, und vieles mehr. – Gina Gillig, Vorstand der BÜRGER-GEGEN ATOMREAKTOR GARCHING e.V.: ,Das Festhalten an Atombombenstoff ist ein eklatanter Verstoß gegen den Genehmigungsbescheid des Betriebs des Atomreaktors. Wenn die Betreiber nicht in der Lage sind, sich daran zu halten, ist ihnen unverzüglich die Betriebsgenehmigung des Münchner Atomforschungsreaktors zu entzie-
hen.‘“1

Am 5. September findet eine große Anti-AKW-Demo in Berlin statt. Münchnerinnen und Münch-
ner fahren deshalb per Bahn nach Berlin.

Die Bundesregierung will den Atomausstieg aufkündigen. Und so fährt am 16. September eine riesige Castor-Attrappe mit der Aufschrift „www.endlagersuche.de“, begleitet von Menschen in Strahlenschutzanzügen, ab 14 Uhr vom Sendlingertor-Platz zum Odeonsplatz.2

Jeden Adventssamstag irritiert ein Flashmob am Fischbrunnen auf dem Marienplatz. Menschen verhalten sich zunächst wie Passanten, sinken dann aber um 11.55 Uhr zu Boden und legen sich ein Radioaktivitätszeichen auf die Brust. Nach fünf Minuten, wenns von der Peterskirche her zu läuten beginnt, stehen sie dann wieder auf, lassen den Zettel mit dem Zeichen liegen und gehen weg, ohne mit jemandem zu reden.

(zuletzt geändert am 8.11.2019)


1 Münchner Lokalberichte 5 vom 5. März 2009, 12.

2 Siehe www.atomtour.de.

Überraschung

Jahr: 2009
Bereich: Atomkraft