Flusslandschaft 2013

Zensur

Freitag, 22. März: Kurz nach Mitternacht sendet das bayrische Fernsehen eine Aufzeichnung einer Kabarettsendung aus dem Vereinsheim Schwabing von Mitte Februar. Überraschend erscheint OB Ude, gibt ein Solo, und dann ist klar, alle Künstlerinnen und Künstler müssen von ihrer ursprünglich zugesagten Zeit sich etwas abschneiden lassen. Dies geschieht in Absprache mit dem BR. Ruth Oppl, die Agentin von Martin Puntigam, bespricht ebenfalls Schnitte und segnet diese ab. Bei der Ausstrahlung ist sie erstaunt, dass weitere Passagen aus dem Mittelteil des Auftritts von Puntigam fehlen. So meinte Puntigam u.a., dass ein Talar die Berufsbekleidung für Mitglieder einer „Spezialeinheit“ sei, „die wieder verheirateten Geschiedenen die Kommunion verweigert. Oder Vergewaltigungsopfern die medizinische Behandlung.“ Das mit den Vergewaltigungsopfern fehlt. Es kommt zu Protesten.1 – Marcus Dosch schreibt: „Für mich ist dieser Streich des BR keine Überraschung. Dieser Sender, von der CSU gesteuert, (wie er auch bei einer neuen Regierung von deren Parteien gesteuert würde), hat nur die Interessen ihrer Wähler aus dem flachen Lande im Auge. Die Städter haben sie längst aufgegeben, denn bei denen gibt es keine Kuhfladen mehr auf den Straßen und auch keine Jung- und Altbäuerinnen, deren Kuchen unbedingt allen TV-Zuschauern präsentiert werden müssen. Denn merke: Nur wer im TV erscheint, ist wirklich ein anerkannter Bürger/Bürgerin, alle anderen sind nur politische Irrläufer. Habemus Alphornklang, Zither und Kuhfladen.“ 2


1 Siehe www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.martin-puntigam-zensurvorwurf-beim-br-der-zoff-geht-weiter.dd0cff34-b27f-4d2f-a7ab-4cfa82259dd7.html und www.blog.gwup.net/2013/03/28/science-buster-martin-puntigam-und-sein-priester-sketch-beim-br/comment-page-1/

2 Abendzeitung von Ostern 2013, 75/13, V.

Überraschung

Jahr: 2013
Bereich: Zensur