Flusslandschaft 1997
Wohnen
Die Mieter der rund 6.000 Münchner Eisenbahnerwohnungen sind besorgt. Das Bundesverkehrs-
ministerium und die Eisenbahnvermögensverwaltung wollen die Wohnblöcke verscherbeln. Inves-
toren gibt es genügend. Mitte Dezember ist der Festsaal im Löwenbräukeller gerammelt voll. »Die Versammlung verabschiedete einstimmig (eine Enthaltung) eine Resolution, die Immobilien nicht zu verkaufen, weil sie ,unverzichtbar’ für 12.000 Menschen seien, keine Kündigungen zuzulassen und die bindungsträchtigen Sozialmittel keinesfalls vorzeitig zurückzuzahlen.«1
Während viele Vereine über einen Mitgliederschwund klagen, verzeichnet der Mieterverein Mün-
chen Ende des Jahres einen Zuwachs von 58.000 Mieterhaushalten als Mitglieder. Vorsitzender Thomas Lange: „Während vor 15 Jahren ein Mieterhaushalt im Schnitt 25 Prozent seines Ein-
kommens für die Miete hinlegte, seien es heute oft schon mehr als 35 Prozent, zuweilen auch ‘un-
zumutbare 50 Prozent’. Auch seien sie in den vergangenen Jahren ‘entgegen anderslautenden Schlagzeilen’ um etwa drei Prozent jährlich gestiegen.“2
1 Süddeutsche Zeitung 288 vom 15. Dezember 1997, 39.
2 Süddeutsche Zeitung 58 vom 11. März 1998, 51.