Flusslandschaft 2014
Kunst/Kultur
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In Haidhausen

PROTEST – MONIKA HUBER – 22. bis 28. September 2014 im MaximiliansForum – Passage für interdisziplinäre Kunst, Maximilianstraße/Unterführung Altstadtring – Eröffnung und Künstler-
gespräch mit Monika Huber und Ulrich Wilmes am 22. September, 19 Uhr – Franziska Sperr2
liest Texte von Razan Zeitouneh3, Einführung von Heinz Schütz am 24. September, 19 Uhr – Im Kontext der Reihe TRANSFORMING CITIES präsentiert Monika Huber ihre jüngste Videoarbeit PROTEST, deren Leitmotiv die kritische Auseinandersetzung mit der Bildberichterstattung über gewalttätige Konflikte in den Fernsehnachrichten ist. Im Zentrum stehen Bilder des urbanen und suburbanen Widerstandes und damit verbundene Fragen nach den Möglichkeiten der Malerei in der Gegenwart sowie der Authentizität, Austauschbarkeit und Rezeption massenmedial transpor-
tierter Bilder. Grundlage ihrer malerischen Bearbeitung sind Videoclips und Nachrichtenbilder aus dem Jahr 2013. Dem SW-Video PROTEST gegenüber werden starkfarbige Fotos von Protestszenen in einer Rauminstallation gezeigt, die Gesten und Handlungen der Protestierenden festhalten und die Eindringlichkeit und Vehemenz der Straßenszenen erspüren lassen. „In bewusster Anlehnung an die Ikonographie der amerikanischen Pop Art geht es Monika Huber nicht mehr vorrangig um die Abbildung unserer neuen Wirklichkeit, sondern auch um die Reflexion der Mechanismen unserer Wahrnehmung, der Funktion von Bildern, von Medien und dem aktuellen Spannungsfeld zwischen virtuellem und realem Geschehen.“ (Wolfger Pöhlmann)4
Am 8. Oktober stirbt Helmut Ruge, Verfasser von 37 eigenen Kabarettprogrammen und zehn Theaterstücken. Der Verantwortliche dieser Webseite erinnert sich vor allem an Ruges „Damit Du was bist, / Musst Du was werden. / Damit Du was wirst, / Muss Vater was sein. // Doch dazu muss Vater / Erst mal was haben. / Denn ohne zu haben, / Gibt es kein Sein. // Hat aber Vater / Nichts als sein Sein, / Musst Du halt selber / Ein Habender sein. // Um das zu werden, / Tummle Dich rum, / Schlage die andern, / Oder bringe Dich um. // Hapert’s am Haben, / Kannst Du nix werden. / Bist nix geworden, / Bist Du nicht wer. // Bist Du nicht wer, / Bist du ein Niemand. / Mit Nie-
mand läßt niemand / sich bei uns gern ein. // Bist Du ein Niemand, / Hast Du auch Niemand, / Niemanden haben / Jetzt immer mehr. // Immer mehr haben / Heißt: Immer mehr / Haben von ihrem Leben / Weniger was. // Nur wenige haben / Von ihrem Haben / Immer noch mehr. / Und mehr haben nichts. // Und könn’ nicht mehr werden, / Weil sie nichts haben. / Also haben vom Haben / sie nichts. // Niemand zu werden, / Jemand zu sein, / Könnte das Sein / vom Haben be-
frei’n. // Wir könn’ nichts mehr werden. / Wir könn’ nur noch sein. / Es gibt niemand, der nichts ist, / Und niemand allein.“ Das Gespräch, das Wolfgang Habermeyer mit Ruge 2006 führte, ist vielleicht der beste Nachruf.5
1 Foto © Volker Derlath
2 Franziska Sperr, Schriftstellerin, Vizepräsidentin des Deutschen PEN-Zentrums und Beauftragte des Writers-in-Exile Programms
3 Razan Zeitouneh, Juristin, Menschenrechtsaktivistin, ist eine Symbolfigur der syrischen Revolution; die ZEIT publizierte 2011 ihr Revolutionstagebuch, Mitautorin des Buches „News – the televised revolution“, Hirmer Verlag, University of Chicago Press, 2012
5 Siehe https://www.br.de/fernsehen/ard-alpha/sendungen/alpha-forum/helmut-ruge-gespraech100~attachment.pdf.