Flusslandschaft 2000
StudentInnen
Reformen sind doch immer prima, erst recht die in Aussicht gestellte Hochschulreform. Dabei dient gerade die Öffentlichkeit als Druckmittel, um die öfter störrischen Studis und auch beharr-
lich-konservativen Lehrkörper zu „motivieren“. Es geht bei diesen Inszenierungen nicht darum, Interessen und Bedürfnisse, zum Beispiel die einer Gesellschaft, die das Hochschulwesen finan-
ziert, zu thematisieren, sondern einem uninformierten Publikum nahezulegen, dass nur der Markt und seine Effizienzkriterien die „altbackenen Zustände einer Alma Mater promovieren“ können. Studis jubeln, als sie aus den Medien erfahren, dass das Studium in der BRD zukünftig gebühren-
frei bleibe. So habe es die Kultusministerkonferenz am 25. Mai beschlossen. Tatsächlich hat man sich auf einen Etappenplan zur Einführung von Studiengebühren verständigt. Gleichzeitig wird in den Mainstream-Medien mit ständigem Hinweis auf die „Langzeitstudierenden“ das Muster der „Sozialmißbrauch“-Debatte auf die Hochschulen übertragen, die Folgen der seit mindestens 20 Jahren anhaltenden Unterfinanzierung des Bildungssektors werden in individuelles Versagen der Studierenden umgemünzt. Und wer spielt da mit? Mit dem Slogan „Senioren in den Park“ macht die Münchner Hochschulgruppe der Grünen (GrünS) im Hochschulwahlkampf am 10. Juli Stim-
mung gegen ältere Kommilitonen: Studierende Senioren würden den wissenschaftlichen Betrieb behindern.1
Nur jedeR siebte Studierende wurde im Jahr 2000 nach dem BAföG gefördert, Anfang der 1990er Jahre war es noch jedeR dritte. Nur 1,5 Prozent aller immatrikulierten Studierenden erhielten 2000 eine monatliche Förderung über 1.000 DM; der vom Deutschen Studentenwerk ermittelte Durchschnittsbedarf von Studierenden liegt bei 1.248 DM monatlich. Über die Hälfte der BAföG-berechtigten Studierenden musste 2000 mit weniger als 600 DM im Monat auskommen.2
(zuletzt geändert am 20.3.2026)
1 Siehe www.boa-muenchen.org/boa-kuenstlerkooperative/n0007100.htm#0007100.