Flusslandschaft 2016

Umwelt

Am Mittwoch, 20. Januar, sagen vor dem Europäischen Patentamt (EPA) von 8.30 bis 9 Uhr, Aktivistinnen und Aktivisten von Campact mit Schildern und Plakaten, dass sie es unerträglich finden, dass der multinationale Konzern Monsanto eine Melone zum Patent anmeldet. Ein als Minister Heiko Maas verkleideter Schauspieler „patentiert“ zudem symbolisch unser Gemüse. Das stürzt weltweit Bauern in eine Abhängigkeit von den Konzernen, zerstört die Sortenvielfalt und lässt Verbraucher mehr bezahlen. Die Monsanto-Melone hat eine Eigenschaft, die natürlicher Weise in Indien vorkommt. Mit dem Patent kann die Natur beraubt und die indischen Bauern zur Kasse gebeten werden. Am gleichen Tag noch wird dem Konzern das Patent für eine Melone entzo-
gen. Das EPA folgt einer Beschwerde von verschiedenen Umweltorganisationen. Dies ist aber nur ein Teilerfolg. Weitere 1.000 Patentanträge auf Leben sind anhängig.

Das Münchner Umweltinstitut untersucht im Februar vierzehn der beliebtesten Biermarken. In allen Fällen finden die Tester Glyphosat. Die geringste Konzentration wird bei einem in der linken Szene beliebten Münchner Bier nachgewiesen, sie liegt bei 0,46 Mikrogramm Glyphosat pro Liter.1

Am 29. Juni versammeln sich über 120 Aktivist/innen vor dem EPA auf dem Bob van Benthem Platz 1 und übergeben 800.000 Unterschriften gegen die Erteilung von Patenten auf Leben. Viele Menschen bringen ihr Lieblingsgemüse mit und machen auf zahlreichen selbstgemachten Bannern und Plakaten deutlich, dass es viele gute Gründe gibt, gegen die Praxis des Patentamts aktiv zu werden. So erteilt das EPA immer wieder Patente auf konventionelle Züchtungen, obwohl die Pa-
tentgesetze dies eigentlich verbieten. Die Demonstrantinnen und Demonstranten fordern einen Stopp dieses Rechtsbruchs. Der Verwaltungsrat der Patentorganisation schiebt die Verantwortung auf die Europäische Union. Sie wird nun eine Klarstellung zum Patentrecht veröffentlichen – da-
ran wird sich das Patentamt halten müssen. Leben ist keine Erfindung: Patente auf Pflanzen und Tiere müssen sofort gestoppt werden!2

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An einer Ampel an der Kreuzung Paul-Heysestraße/Schwanthalerstraße


1 Augustiner Helles: 0,46 Mikrogramm pro Liter, Franziskaner Weißbier: 0,49 Mikrogramm pro Liter, Beck’s Pils: 0,50 Mikrogramm pro Liter, Bitburger Pils: 0,55 Mikrogramm pro Liter, Paulaner Weißbier: 0,66 Mikrogramm pro Liter, Er-
dinger Weißbier: 2,92 Mikrogramm pro Liter, Krombacher Pils: 2,99 Mikrogramm pro Liter, König Pilsner: 3,35 Mikro-
gramm pro Liter, Oettinger Pils: 3,86 Mikrogramm pro Liter, Veltins Pilsener: 5,78 Mikrogramm pro Liter, Radeberger Pilsner: 12,01 Mikrogramm pro Liter, Warsteiner Pils: 20,73 Mikrogramm pro Liter, Jever Pils: 23,04 Mikrogramm pro Liter, Hasseröder Pils: 29,74 Mikrogramm pro Liter. Siehe www.umweltinstitut.org/aktuelle-meldungen/meldungen/umweltinstitut-findet-glyphosat-in-deutschem-bier.html.

2 Siehe www.keinpatent.de.

3 Foto vom 22. Oktober: Franz Gans

Überraschung

Jahr: 2016
Bereich: Umwelt