Flusslandschaft 1974

Alternative Szene

Radikale Veränderungen im zwischenmenschlichen Umgang, die sich in den letzten Jahren durchgesetzt haben, sind der Anlass, sich diesen Strukturwandel genauer anzusehen.1

Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ zirkuliert als Raubdruck der Düsseldorfer Projektgruppe Gegengesellschaft auch in München. Debord meint: „… Da, wo sich die wirkliche Welt in bloße Bilder verwandelt, werden diese bloßen Bilder zu wirklichen Wesen und zu den wirkenden Motivierungen eines hypnotischen Verhaltens …“2 Und jetzt wird’s widersprüchlich. Denn eines hatten die Situationisten satt: Das spektakuläre und pseudokritische Zitieren ihrer Gedanken ohne konkrete Zielsetzung. Es ging ihnen vielmehr darum, eine Entwendung bzw. Aneignung revolutionärer Gedanken zu betreiben, um damit – im Sinne einer Erkenntnis, die keine theoretische Erkenntnis bleiben kann – praktisch auf eine revolutionäre Situation hinzuarbeiten, die jede Umkehr unmöglich machen und eine Aufhebung des bestehenden Elends leisten würde.


1 Siehe „Tja, so ist das … Wege zur Menschenkenntnis“ von Inge Heinrichs.

2 Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, Hamburg 1977, 10.