Flusslandschaft 2022
Armut
Immer mehr Münchnerinnen und Münchner können von ihrem Einkommen nicht mehr leben ‒ und das, obwohl das Durchschnittsgehalt bei uns mit 57.000 Euro pro Jahr am höchsten ist. Die Armut hat erdrückende Ausmaße angenommen und auch wer sich bisher noch etwas gönnen kann, lebt in Sorge, ob man sich die steigenden Ausgaben künftig noch tragen kann. Der Armutsbericht 2022 beschreibt, dass in der „reichen“ Stadt München jeder sechste Mensch in Armut lebt. 266.000 Münchner gelten als arm. Betroffen sind vor allem Alleinerziehende, Familien mit vielen Kindern, Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen, Geflüchtete und ältere Menschen. Einkommen unter 1.581 Euro pro Monat bedeuten Armut. Viele Münchnerinnen und Münchner sind ungewollt in Teilzeit, weil sie sich um Angehörige kümmern müssen. Wer unter 3.500 Euro im Monat verdient, dem droht im Alter Armut. Das betrifft auch viele, die für die Stadt München arbeiten: Bestatterinnen, Hausmeister, Schulsekretäre, Alten- und Kinderpfleger, Ver-
anstaltungstechnikerInnen, Sachbearbeiter im KVR, Köche, MaurerInnen, Straßenbauer und Landschaftsgärtner, BauzeichnerInnen, Politessen, BademeisterInnen, Gerätewarte der Feuer-
wehr, ErzieherInnen, Straßenreiniger, Müllwerker und KanalarbeiterInnen, Reinigungskräfte und Rettungsschwimmer – all diesen wichtigen Berufen droht mit ihrem Gehalt die Altersarmut. Und auch in der Privatwirtschaft verdienen viele Beschäftige deutlich unter dem, das für das Leben notwendig ist.
Schon vor dem Beginn der Inflation stieg die Armutsquote in Deutschland auf 16.6 % und 40 % der Menschen hatten keine Ersparnisse. Durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten können weitere 20% aktuell nicht mehr sparen oder müssen ihre Ersparnisse aufbrauchen. Gleichzeitig profitieren die Reichsten von Spekulationen, die Gas- und Strompreise in die Höhe treiben. Die Entlastungen der Ampelregierung kommen zu spät, sie kommen zu langsam und sie kommen nicht bei denen an, die es wirklich brauchen. Statt die Profiteuren dieser und vergangener Krisen zur Kasse zu bitten, um die Menschen in Deutschland angemessen zu entlasten, verstecken sich die Politik hinter dem Dogma der Schuldenbremse. Doch das Kaputtsparen von sozialer und kritischer Infrastruktur und der fehlende sozial-ökologische Umbau der Wirtschaft kosten uns und den globalen Süden viel mehr, als weitere Schulden. NGG Bayern, VDK Bayern, der Paritätische Oberbayern, ver.di Mün-
chen, die KAB, Zukunft erkämpfen, #ausspekuliert, #ichbinarmutsbetroffen, Fridays for Future und die BUND Jugend fordern bezahlbare Mieten und Energie, Ausreichende Unterstützung von Geringverdienenden, kostengünstigen ÖPNV, auskömmliche, menschenwürdige Grundsicherung, Lohnerhöhungen für alle Beschäftigten, mindestens in Höhe der prognostizierten Inflationsrate, Übergewinnsteuer, Vermögensabgabe, Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer, Aussetzung des Dogmas der Schwarzen Null bzw. der Schuldenbremse bis zur Bewältigung der derzeitigen Krise, statt 100 Mrd. für Hochrüstung, 100 Mrd. für soziale Sicherung und Klimaschutz. Am Samstag, 5. November, findet auf dem Rotkreuzplatz um 13 Uhr eine Kundgebung statt.
Laut einer Schätzung des Münchner Sozialreferats leben im Dezember rund 550 Menschen auf den Straßen der Landeshauptstadt. Tatsächlich dürften es doppelt so viele sein. An der Sparkassen-Fi-
liale am Max-Weber-Platz wird Kritik laut. Ronen Steinke weist am 12. Dezember darauf hin, dass dort mehrere Zackenreihen angebracht worden sind, um Menschen davon abzuhalten, auf der Fensterbank zu übernachten. Das sei schon vor etwa fünf Jahren so gestaltet worden, meint die Bank. Zahlreiche Kunden hätten sich vor allem in den Abendstunden immer wieder beschwert, weil dort Obdachlose gelagert und den Raum auch teils stark verschmutzt hätten. Der Sprecher: „Wir wollen unseren Kunden saubere Foyers bieten, in denen sie sich zu jeder Tageszeit sicher fühlen.“1
1 Siehe https://web.archive.org/web/20230324181030/https://www.br.de/nachrichten/bayern/muenchner-stadtsparkasse-metallgitter-gegen-obdachlose,TPtepdt und https://igel-muc.de/rssshow.php?guid=20221221.