Flusslandschaft 1980
Kapitalismus
„Reprivatisierung // Alles muß / reprivatisiert werden: / Die Müllabfuhr / das Fernsehen / die Polizei / die Post / die Bundesbahn / das Militär / der Zoll / die Regierung / und schließlich / auch noch der Mensch / Jawohl / wir wollen wieder / Leibeigene sein // Artur Troppmann“1
Manche verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind. Begriffe tauchen auf im Wirbel der Ar-
gumente, kaum wahrgenommen verschluckt sie das Meinungsgestöber. Einige bleiben, sind ge-
schrieben an Zwischenwände, unheilverkündend wie einst „Mene mene tekel u-parsin“, das vor Belšazar, dem König Babylons, bei einem Gastmahl an der Wand aufglüht und seinen Sturz ankün-
digt. – Apologeten der herrschenden Warenwelt, der Produktions- und Wirtschaftsform sind deren Nutznießer. Die meisten glauben dies zumindest. Da erscheint bei ihren Gastmählern immer häufi-
ger der Begriff „Spätkapitalismus“ an der Wand. „Spät“ deshalb, weil seine Tage angeblich gezählt sind. Er sei, so die Warnung, auf die forcierte Vernutzung von Mensch und Natur angewiesen und stoße dabei auf deren quantitative Grenzen, sodass er mit der Zerstörung seiner Ressourcen am Ende sich selbst zerstöre. Um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, entsteht neuerdings die Fiktion eines geläuterten Kapitalismus, der dann überlebt, wenn er mit „green deals“ auf „ökologi-
sche Prämissen“ zurückgreift. Dem widersprechen Subrealisten: „Das ökologische Denken ist die Hoffnung, das gänzlich Sinnlose mit einer moralischen Anstrengung zu reinigen.“2
Und: Spielt die Klasse der lohnabhängig Schuftenden immer noch die entscheidende Rolle des revolutionären Subjekts, das die verkehrte Welt vom Kopf auf die Füße stellt? Ein weiteres Buch bringt neue Argumente für hitzig Diskutierende.3
(zuletzt geändert am 15.1.2026)
1 Unsere Zeit vom 2. Februar 1980, 7.
2 Subrealisten Bewegung, Zur Kritik der politischen Ökologie, Edition Nautilus Flugschrift 27, Hamburg 1980.
3 André Gorz, Abschied vom Proletariat – jenseits des Sozialismus, Frankfurt am Main 1980.