Flusslandschaft 1949

Frauen

Im Mai beginnt der „Frauenfunk“ im Bayrischen Rundfunk mit einer „Sendereihe zu Fragen der Rechtsreform und der gesetzlichen Verankerung der Gleichberechtigung der Frau.“1

Die Öffentlichkeit empört sich über Pläne einer spanischen Artistentruppe, im Stadion an der Grünwalderstraße Stierkämpfe zu zeigen. Behörden, Stadtrat und Tierschützer wenden sich gegen derartige „Tierquälereien“. Schließlich findet man eine Alternative. Am 14. Juni berichtet der Chronist: „In seiner heutigen Sitzung beschließt der Münchner Stadtrat die Genehmigung von Damenringkämpfen … vom Polizeipräsidium in eigener Zustimmung entscheiden zu lassen. Nach dem angekündigten Stierkampf will man nun als neue Sensation Damenringkämpfe bringen. Wie verlautet, sollen die Ringkämpferinnen, die sich als Artistinnen bezeichnen, schon auf vollen Touren trainieren.“2 Doch auch hierüber gibt es heftige Diskussionen. Am 4. Juli   schließlich begutachten in einer geschlossenen Veranstaltung Vertreter des Landtags, des Stadtrats und der Kirchenbehörden einen entsprechenden Kampf. Da die Anwesenden — entgegen ihren Befürchtungen — daran nichts Anstößiges feststellen, darf am 6. Juli der erste Damen-„Kampfabend“ im Zelt des Zirkus Schallmann an der Bayerstraße stattfinden. — 1949 sind in neunzehn bayrischen Städten Frauenarbeitsgemeinschaften tätig.


1 Agnete von Specht (Hg.), Geschichte der Frauen in Bayern. Von der Völkerwanderung bis heute. Katalog zur Landesausstellung in den Ausstellungshallen im Klenzepark in Ingolstadt — 18. Juni bis 11. Oktober 1998, Augsburg 1998, 345.

2 Stadtchronik, Stadtarchiv München.