Flusslandschaft 1980

Frauen

„Ich wohne zusammen mit meiner Freundin (bzw. sie mit mir) und wir wollten im örtlichen Telefonbuch unsere beiden besseren Hälften natürlich gedruckt sehen; leider hatte man, in diesem Fall frau, beim Fernmeldeamt kein Verständnis für den Wunsch, beide Namen zu veröffentlichen. Wer die Rechnung bezahlt, kommt ins Telefonbuch. Natürlich zahlen wir beide die Rechnung – aber laut Post geht das nicht. Hermann R. Volkert, München.“1

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“ Frauen klagen am 15. April gegen die Firma Heinze in Gelsenkirchen. Sie wollen, dass endlich – nach über dreißig Jahren – das Verfassungsgebot Verfassungswirklichkeit wird. Die Frauensekretärin beim Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Druck und Papier, Gisela Kessler, organisiert von 1979 bis 1981 bundesweite Solidaritätsaktionen zur Unterstützung der Frauen, auch in München. Schließlich entscheidet das Bundesarbeitsgericht in Kassel, dass die Frauen in der Abteilung Filmentwicklung die selben Zulagen erhalten wie die Männer. Dieses Urteil wird als ein wichtiger Schritt zur Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern gefeiert.2

25. April: „Die Landesvorsitzende der Frauenunion, Ursula Krone-Appuhn, bezeichnet es als einen Skandal, dass die CSU keiner Frau einen Direktwahlkreis für die Bundestagswahl im Herbst gegeben hat. Praktisch dürften die Frauen in der CSU ‚nur gnadenhalber ihren Mund aufmachen’, meint die CSU-Bundestagsabgeordnete vor der Presse.“3

18. September: „Auf einer Pressekonferenz zählt die Vorsitzende des Vereins ‚Mutter als Beruf’ eine Fülle von Forderungen auf: Mutterschaftsgeld auch für ‚Nur-Mütter’ […], die Anerkennung der Mutterfunktion als Beruf und damit Rente für Mütter und die Erhöhung des Kindergeldes. Der Verein kündigt eine Verfassungsbeschwerde für die Gleichstellung der ‚Nur’-Mutter mit der lohnabhängigen Mutter an […]“4

„Eine Münchner Mutter mag nicht einsehen, warum Kultusminister Maier ihrer Tochter über zwei Jahre hinweg wöchentlich zwei Handarbeits-Unterrichtsstunden verordnet, während ihr Sohn von diesen 150 zusätzlichen Unterrichtsstunden verschont bleibt. Aber: der Herr Kultusminister konnte die Uneinsichtige mit Fingerzeig auf die bayerische Verfassung belehren. Dort steht nämlich geschrieben: ‚Die Mädchen sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen’ (Artikel 131, Absatz 4). Und damit auch kein Zweifel an der Richtigkeit dieser Verordnung bleibt, kommentiert Herr Maier, der sich gern und oft als Papi von fünf Töchtern rühmt: ‚Im Hinblick auf die naturgegebenen Wesensunterschiede der Geschlechter kann in diesem zusätzlichen Angebot für Mädchen ein Verstoß gegen den Gleichheitssatz nicht gesehen werden.’ Hört, Hört!!“5

Am 6. Dezember demonstrieren in Hamburg, Bonn und München Frauen mit der Parole „Frauen in die Bundeswehr – wir sagen nein!“.6

Die Gruppe Frauen für den Frieden gründet sich nach dänischem Vorbild. Etwa dreißig Frauen in zwei Untergruppen treffen sich regelmäßig im Zentrum für Entwicklung und Frieden (ZEF) in Haidhausen. Etwa 1984 löst sich die Gruppe auf.7


1 ♀Emma. Zeitschrift für Frauen von Frauen 4 vom April 1980, 63.

2 Vgl. druck und papier vom 21. September 1981.

3 Stadtchronik, Stadtarchiv München.

4 A.a.O.

5 ♀Emma. Zeitschrift für Frauen von Frauen 10 vom Oktober 1980, 23.

6 Vgl. Süddeutsche Zeitung 284/1980.

7 Vgl. Helga Kreuzer: Frauen für den Frieden – oder Widerstand ist machbar, Frau Nachbar!“ In Mütter Courage.Zeitung der Mütter gegen Atomkraft 2 vom Juli 1999, 8 f.