Flusslandschaft 1984

Die Grünen

Am 2. Mai nehmen zum ersten Mal grün-alternative Stadträtinnen und Stadträte die Arbeit im Rathaus auf. Sie kommen aus der oppositionellen Subkultur, sind gegen Mietervertreibung, gegen die autogerechte Stadt, gegen Atompolitik, gegen repressive Ausländerpolitik und vieles mehr. In manchem sind sie auch naiv. An einem Sommermorgen erzählt ein aufgeregter junger Mann dem grün-alternativen Stadtrat Thomas Ködelpeter, dass zweihundert Nackte im Englischen Garten von der Polizei mit Handschellen gefesselt in die Ettstraße verbracht worden seien. Ködlpeter und Siegfried Benker sind über diese Polizeistaatsmethoden empört und geben eine geharnischte Presseerklärung heraus. Die Medien veröffentlichen die Zeitungsente. Dann wird klar: Alles war erstunken und erlogen. Erst ist es Benker und Ködlpeter peinlich. Dann schreiben sie eine neue Presseerklärung, in der sie betonen, dass die Presse selber schuld sei, wenn sie alles glaube. Nachspiel: Als 1989 in Haidhausen, in einem Supermarkt in der Wörthstraße eine Scheibe eingeschlagen und ein Molli hineingeworfen wird, wird eben jener junge Mann festgenommen, der Ködelpeter 1984 die Nacktbadergeschichte aufgetischt hat – und es stellt sich in der Vernehmung heraus, dass er vom Verfassungsschutz auf die grün-alternative Liste angesetzt war, um sie unglaubwürdig zu machen. – In den kommenden Jahren ist das „Grüne Büro“ im Rathaus auch Info-Büro über den Hungerstreik für die Zusammenlegung der politischen Gefangenen, Koordinationsbüro für Proteste gegen die WAA in Wackersdorf, Aufenthaltsort für die Nürnberger Indianerkommune … Unter den Fenstern des Büros im Rathaus hängen die meiste Zeit Transparente mit Parolen für Abrüstung und vieles mehr.

Überraschung

Jahr: 1984
Bereich: Die Grünen

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