Materialien 1993

Telefonkette

München, 17.3.93

Liebe Leute,

bei unserem groß angekündigten Telefonkettentreffen am 1. März haben wir Einzelheiten über den Einsatz der Telefonkette besprochen. Zuerst mußte aus gegebenem Anlaß klargestellt werden, in welchen konkreten Fällen die Telefonkette ausgelöst wird.

Die Telefonkette wird ausgelöst, wenn:
– eine Flüchtlingsunterkunft im Münchner Norden oder in angrenzenden Bezirken bedroht ist oder angegriffen wird.
– Wenn die Flüchtlinge in einer Unterkunft im Münchner Norden anderweitig Hilfe brauchen, die wir leisten können.
– Wenn aufgrund von Angriffen auf ImmigrantInnen oder Flüchtlinge, die in München stattgefun-
den haben, eine spontane (!) Aktion (d.h.z.B. am Tag nach dem Angriff) stattfindet, die nicht mehr angekündigt werden konnte.
– Wenn eine spontane Aktion gegen die aktuell stattfindende Abschiebung von ImmigrantInnen und/oder Flüchtlingen stattfindet, die nicht mehr öffentlich angekündigt werden konnte.

Außerdem wurde besprochen, was wir im Notfall vor Ort machen:
– Wir treffen uns in der Nähe, aber außer Sichtweite …
– Nur in größeren Gruppen hingehen.
– Ein weißes Tuch, das wir gut sichtbar am Körper tragen, dient uns als Erkennungszeichen.

Falls die Polizei/Feuerwehr die Lage schon im Griff hat bzw. aus einem anderen Grund schon alles vorbei ist:
– Leute beruhigen.
– evtl. bei Aufräumarbeiten helfen.

Falls die Polizei nicht auftaucht:
– versuchen, die Angreifer durch Präsenz und evtl. Lärm + Licht zu vertreiben (bringt Taschenlam-
pen, Scheinwerfer, Fotoapparate mit Blitz etc. mit)
– Täter möglichst auf Fotos festhalten.
– je nach Situation und Einsatzfreudigkeit einschreiten.

In jedem Fall vorher die Feuerwehr und/oder Polizei anrufen. Bei Gefahr ist es sinnvoll, die Feu-
erwehr zu rufen, da sie bei entsprechender Meldung auf jeden Fall kommt.­

Um die Telefonkette zu testen, machen wir demnächst einmal einen Probeanruf. Keine Angst, ihr werdet nicht in die Pampa geschickt! Ihr sollt nur den beiliegenden Zettel ausfüllen (wann seid ihr erreicht worden, wann habt ihr die anderen erreicht etc.) und an uns zurückschicken. Die Adresse lautet:
Matthias Weinzierl
Brüsseler Straße 12
8000 München 40

Hier habt ihr noch die nächsten Termine:

Treffen: jeden dritten Montag im Monat (vgl. Kalender)
25.3., 16 Uhr, Tag der offenen Tür der neuen „Zentralen Aufnahmestelle für Asylbewerber in Süd-
bayern“ (Zweigstelle der Untersbergstraße) in der Kronprinz-Rupprecht-Kaserne. Es wäre gut, wenn viele kommen, um mit den BesucherInnen zu sprechen, Infos zu geben, aufgeregten Men-
schen die Angst nehmen etc.
1.4., 20 Uhr, Veranstaltung „Ausländer über uns“ im Forum 2 (Olympiadorf). Die Veranstaltung ist nicht von uns, wird aber von uns unterstützt.
17.4., 10 – 13 Uhr, Infostand Helene-Mayer-Ring
23.4., 19 Uhr, Kulturveranstaltung der Initiative „Miteinander Leben im Münchner Norden / Ge-
meinsam gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit“ im Forum 2. Mit dem Kabarettisten Hel-
mut Ruge und anderen. Zwischendrin erzählen wir kurz (!) von unseren Plänen und von der Situ-
ation von Flüchtlingen und ImmigrantInnen.

Und hier noch die Treffpunkte bei Notfällen in den Unterkünften:
– Prager Straße: Telefonzelle vor der Rotpletzschule
– Lindbergstr.25 (eigentlich liegt das Lager eher an der Lilienthalstraße): entweder gleich dort, da jeder Treffpunkt ein ganzes Stück entfernt wäre oder, wer sich nicht alleine hintraut (sehr ver-
ständlich!), vor der Berufsoberschule (BOS) Lützelsteinerstr. (Nähe U-Bahn Freimann)
– Röchlinghalle (Euro-Industriepark): Parkplatz Hintereingang vom Wertkauf bei der Telefonzelle
– Burmesterstraße 84: Freizeitheim Freimann (am Ende der Burmesterstraße)

Außerdem werden ja demnächst zwei weitere Unterkünfte eröffnet. Die Treffpunkte sind:
– Gundermannstraße: Apotheke Gundermann/Rainfarnstraße
– Kronprinz-Rupprecht-Kaserne (Schleißheimer Straße): Trambahnhaltestewlle Rathenaustraße (Tram 13)

Wir hoffen, daß jetzt alles klar ist und wir nichts vergessen haben.

Mit solidarischen Grüßen,
Matthias und Christoph


Privatsammlung

Überraschung

Jahr: 1993
Bereich: Flüchtlinge