Flusslandschaft 1991

Kunst/Kultur

LITERATUR

Artur Troppmann, der Neuhauser Schriftsteller, orientiert sich in seinen Gedichten an großen Vorbildern.1

In der Buttermelcherstraße 16 im Gärtnerplatzviertel residiert eine Redaktion, die es eigentlich nach den Gesetzen der so genannten freien Marktwirtschaft nicht geben dürfte. Hier laufen Texte ein, die nie irgendwo so richtig hinpassen. Texte, die jenseits von gängigen Formaten liegen, die alte Gewissheiten in Frage stellen, die Orte und Zeiten erkunden, an die sonst niemand denkt, und die mit fremdem, starkem und zuweilen wirrem Tobak auffahren, an dem du lange zu kauen hast. Diese Texte scheren sich einen Teufel um den Kanon der bürgerlichen Fachliteratur, sie interessie-
ren sich nicht für einen angeblichen Publikumsgeschmack und nehmen keine Rücksicht auf Trends und „Einschaltquoten“. Hier entsteht TransAtlantik und im März erscheint die letzte Nummer, ob-
wohl oder vielleicht weil Deutschland größer geworden ist. Das ist für eingefleischte TransAtlanti-
ker bitter. Lothar Günter Buchheim ruft vom fernen Feldafing her: „Ich kann keine Kondolenzbrie-
fe schreiben. Ich gehe nicht auf Beerdigungen – schon gar nicht, wenn mir der Abgang nahegeht. Das Ende von TransAtlantik geht mir unter die Haut und an die Nieren. Mein Fazit: Scheiße!“1 Richy Meyer, der von sich behauptet, nicht aus Vernunftgründen linksradikal zu sein, sondern aus einer inneren Haltung heraus, einer Mischung aus Trotz und Wut gegenüber dem farblosen Üb-
lichalltäglichen, meint, seine Kritik und sein Protest erwüchsen aus naturhafter Widerständigkeit. Die Lektüre in dem Blatt habe ihn oft mit dem Gegenteil dessen, was er gedacht oder auch, was er von sich erwartet habe, düpiert und ortlos gemacht. Kein Ort heiße „Utopie“. Und so habe ihm das Blatt Schwerelosigkeit, ja sogar das Fliegen ermöglicht. „Linksradikal sein geht nur, wenn du flie-
gen kannst. Alles andere ist Quark.“2

THEATER

Neben den festen Häusern versucht sich in München die freie Theaterszene zu behaupten. Sie wird mit einigen Mitteln aus dem städtischen Haushalt so subventioniert, dass sie gerade überleben kann. OB Kronawitter meint, die Stadt sei pleite. Es müsse überall gespart werden. Wenn nun die Subventionen für die freie Theaterszene noch einmal gekürzt werden, bedeutet das aber ihr Aus. Demonstranten fordern „Stoppt den Kulturtod in München“.3


1 Siehe „Trotz alledem“ von Artur Troppmann.

2 TransAtlantik. Das Kulturmagazin 3 vom März 1991, 119.

3 Siehe „Freie Theater in München“ von Veronika Mirschel.